Jede dritte Frau um die 35 ist in Deutschland kinderlos. Besonders betroffen: Frauen mit guter Ausbildung. Mütter in Deutschland sind die letzten ihrer Art. Ein guter Grund, sie "vor sich selbst zu schützen": Konservative wollen die Familienidylle zurück, Grüne setzen auf Adoptionsrechte für Schwule und Lesben und für Feministinnen alter Schule ist der angebliche Gebärstreik einmal mehr Zeichen männlicher Gewalt gegen weibliche Opfer. Es wird Zeit, Frauen mit Kindern aus der ideologischen Abseitsfalle zu befreien. Was wir brauchen sind keine neuen Männer und keine besseren Frauen, sondern schlicht und ergreifend eine Politik, die akzeptiert, dass Paare Kinder haben wollen. Moderne Frauenpolitik muss Berufstätigkeit und Kinderwunsch zusammendenken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.07.2002
"Es gibt Bücher, die können einer Sache nur schaden", schreibt Kathrin Kommerell und bringt damit ihren Verdruss über Signe Zerhahns "Frontbericht" über die soziale und politische Lage von Familien in Deutschland zum Ausdruck. Es gibt eine ganze Reihe wichtiger Fragen, die die Gegenwart und Zukunft von Familien und auch die der Gesellschaft betreffen, ist die Rezensentin überzeugt. Doch leider bietet dieses Buch nicht eine einzige Antwort auf diese Fragen, ärgert sich die Rezensentin. Stattdessen habe Zerhahn einen "Frontbericht" abgefasst, der leider nicht an der Front, sondern im "geschützten Hotelzimmer" entstanden sei. So sei die Autorin in erster Linie damit beschäftigt, ihre Ansichten gemäß dem Motto "Jetzt red i" an die Leser zu bringen, anstatt sich ernsthaft und kritisch mit den vielfältigen Positionen in der Familienpolitik zu beschäftigen. Fatal findet es Kommerell außerdem, dass hier nicht einmal Mütter, Väter oder Kinder zu Wort kommen.
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