Wohin sind eigentlich all die interessanten Frauen verschwunden? Wenn man den zeitgenössischen Darstellungsformen des Weiblichen Glauben schenken wollte, könnte man meinen, dass die aktuellen Errungenschaften einer Frau im Besitz teurer Handtaschen, eines Vibrators, eines Jobs, eines Apartments und eines Mannes kulminieren. Natürlich muss keiner die Fernsehmagazine, Zeitschriften und die Werbung ernst nehmen, und viele tun das auch nicht. Aber wie ist es soweit gekommen? Haben sich die Anliegen der Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts in Form von Shopping-Paradiesen, die von frechen , selbstverliebten, schamrasierten Playboy-Häschen-Klonen bevölkert werden, erfüllt? Dass der Höhepunkt angeblicher weiblicher Emanzipation auf derart perfekte Weise mit dem Konsumismus zusammenfällt, stellt unserer politisch so desolaten Zeit ein miserables Zeugnis aus.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 18.03.2010
Mit einem gewissen Sarkasmus rechnet Rezensentin Jette Gindner einleitend mit den Auswüchsen der neueren feministischen Debatten ab, um dann die britische Philosophin und Bloggerin Nina Power ins Feld zu führen, die sich an einem Porträt des "gnadenlos affirmativen Feminismus made in USA" versucht hat, so die Rezensentin. Den Tenor der unkonventionell verfassten, leserfreundlichen und dennoch akademischen Analyse findet Jette Gindner auch durchaus anregend, etwa die Einforderung einer "politischen und internationalistischen Perspektive" oder die Überlegungen zur inflationären Verwendung des Terminus Feminismus, der nach Power vor allem in den USA durch neokonservative Strömungen vereinnahmt wird. Allerdings bleibe die Autorin teilweise hinter ihren eigenen Ansprüchen zurück, formuliere symbolisch statt konkret politisch, und was die Einlassungen zur Pornografie betrifft, attestiert Gindner ihr knapp ein fehlgeleitetes Urteilsvermögen beziehungsweise Ignoranz gegenüber alternativen Ansätzen in diesem Genre.
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