Ein furioser Schelmenroman über einen Juristen, dem die Sicherungen durchbrennen. Wo endet ein inselbegabter Jurastudent, der an den starren Regelwerken des Gesetzes verzweifelt und beschließt, das Recht selbst in der Hand zu nehmen? In einer Gefängniszelle! Was aber zwischendurch geschieht, ist so unglaublich und derart gnadenlos und witzig erzählt, dass einem die Luft wegbleibt. Bereits als Kind findet der Held dieses Romans zur Juristerei: Er bereitet ein Verfahren gegen seine Großmutter vor, den Drachen der Familie - und verurteilt sie im Wohnzimmer in Abwesenheit zum Tode. Berufung: nicht möglich. Dass ein Jurastudium im beschaulichen Freiburg einem solchen Charakter nicht gut bekommt, ahnt man schnell. Auch hier kann er die Finger nicht von den Gesetzen lassen, und nimmt das Recht in die eigene Hand. "Wie alles begann und wer dabei umkam" ist eine bitterböse Gesellschaftsanalyse und eine literarisch brillante Auseinandersetzung mit den Regelwerken, die unser aller Leben bestimmen. Wo sind Widerworte gegen das Gesetz gefragt - und wo eskaliert das eigene Ungerechtigkeitsempfinden in wahnwitzige Selbstjustiz?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.02.2021
Rezensent Ulrich Seidler kann auf Herz für die Figuren gern verzichten, wenn jemand wie Simon Urban über Rache und Recht schreiben kann. A la Dostojewski entwirft der Autor einen einsamen Rächer, aber als Schelm im ursprünglichen Wortsinn, als Todbringer, erklärt Seidler. Wie Urban Motive spiegelt, juristische Paradoxien aufmacht, bizarre Dialoge und erotische Szenen entwirft und dennoch nicht den Handlungsfaden verliert, den Humor und die Spannung, findet Seidler bemerkenswert. Muskelprotz-Literatur, meint er.
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