Wasser predigen und Wein trinken, das scheint das Grundprinzip zu sein, nach dem unsere Gesellschaft in allzu vielen Bereichen funktioniert. Das hat fatale Folgen: Einmal in Schieflage geraten, kommt das Land immer mehr aus dem Gleichgewicht. Die Gerechtigkeit bleibt auf der Strecke. Mit bestechender Klarheit schildert Paul Kirchhof, warum Staat, Wirtschaft und Politik die Orientierung verloren haben, und er fordert: Stellt das verlorene Gleichgewicht wieder her! Jeder einzelne Bürger, jedes Unternehmen, jede Gruppierung handelt scheinbar vernünftig, doch im Ergebnis entsteht ein großer Missklang: Unter dem Einfluss organisierter Interessen produziert das Parlament Jahr für Jahr so viele Gesetze, dass niemand sie mehr verantworten oder befolgen kann; die Wirtschaft löst sich aus der Bindung an allgemeine Werte; das Recht verliert seine Autorität. Von hier aus ist es nur ein kleiner Schritt zum Steuerbetrug via Liechtenstein - Unrechtsbewusstsein Fehlanzeige.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.01.2010
Mit großer Zustimmung hat Rolf Lamprecht dieses Plädoyer Paul Kirchhofs für ein neues Steuerrecht gelesen. Der ehemalige Verfassungsrichter will seines Erachtens damit den mündigen Bürger "ansprechen und überzeugen". Konkrete Reformvorschläge referiert Lamprecht zwar nicht, hebt aber hervor, dass Kirchhof ein Steuerrecht im Sinn hat, das gerecht, nachvollziehbar und vertrauenswürdig ist. Jeder Bürger solle seine Pflicht, Steuern zu zahlen, aus Verantwortung und Überzeugung anerkennen können. Lobend erwähnt Lamprecht den gewandten Stil, den der Autor schreibt, und die zahlreichen historischen und mythologischen Beispiele, mit denen er seine Thesen illustriert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2009
Jochen Zenthöfer kann sich nicht recht entscheiden, was er da gelesen hat. Am ehesten ein "rechtssoziologisches Werk" des ehemaligen Kompetenzteamlers der Kanzlerin, Paul Kirchhof. Der verhinderte Finanzminister stellt darin seine "wahrscheinlich unpraktikable Lösung" einer Wahlrechtsreform vor: Parteien müssen sich vor der Wahl auf mögliche Koalitionspartner festlegen und dies dann auch einhalten. Gibt es keine Mehrheit, erhält die vorverpflichtete Koalition mit den meisten Stimmen 50 Prozent und 5 Sitze - komme was wolle. Fragwürdig ist, ob das Verfassungsrecht da mitspielen würde. Obwohl der Autor im Buch seine Wahlniederlage verarbeite, sieht der Rezensent keine persönliche Misserfolgsgeschichte protokolliert, aber auch kein wissenschaftliches oder polit-programmatisches Werk, denn die Überlegungen, die sich hauptsächlich mit dem Grundgesetz beschäftigten, seien für das Berliner Tagesgeschäft völlig "irrelevant".
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