Nach uns der Himmel
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783518474426
Gebunden, 218 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Acht Menschen auf einer Insel im Mittelmeer. Ein idyllisches Urlaubsparadies mit traumhaften Buchten, viel Sonne, pittoresker Architektur, Bars und Cafés an jeder Ecke. Konflikte? Einfach vergessen, bitte! Doch etwas stimmt nicht. Die ganze Szenerie wirkt fahl, die Inselbewohner seltsam abwesend. Und wo sind eigentlich die anderen Passagiere, mit denen die acht im Flugzeug gesessen haben? Claudius hat mal wieder alles bezahlt, für sich und Elisabeth, aber auch für ihre Studienfreunde Annike und Benedikt. Claudius zahlt immer, weil er's kann. Sara und Marc sind mit ihrem Sohn Vincent hier, der schwer krank ist, vielleicht machen sie zum letzten Mal gemeinsam Ferien. Gäbe es Vincent nicht, wären Sara und Marc längst kein Paar mehr. Schließlich ist da noch Heidi, die gerade wieder eines ihrer Start-ups verkauft hat und auf die nächste heiße Idee wartet - das lenkt so schön ab von der Sache, über die sie nicht gern nachdenkt. Die Wege der acht kreuzen sich immer wieder in der kleinen Stadt am Meer. Sie finden sich, zerstreiten sich, lieben sich oder lieber doch nicht. Ferien eben. Doch aus den zu Beginn kleinen Ungereimtheiten um sie herum werden immer größere Löcher, und ihr Bewegungsradius scheint stetig kleiner zu werden. Nach und nach wird ihnen klar, dass hier und jetzt die letzte Gelegenheit sein könnte, sich noch mal richtig lebendig zu fühlen - bevor alles um sie herum zerbricht.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2025
Wohl fühlt sich Tilman Spreckelsen in Simone Buchholz' Roman, in dem zwei Paare Urlaub auf einer Insel in Griechenland machen. Sie leben da zunächst wie gewohnt vor sich hin, so Spreckelsen. Allerdings mehren sich bald irritierende Vorkommnisse, die Welt, durch die sie sich bewegen, wird immer kleiner, die Menschen um sie herum reagieren kaum noch auf sie. Spreckelsen verrät den Clou: Die vier sind in Wirklichkeit schon tot und müssen das freilich selbst noch begreifen. Diese in der fantastischen Literatur geläufige Idee wird von Buchholz geschickt und originell umgesetzt, freut sich der Kritiker. Spreckelsen gefällt insbesondere, wie Buchholz die Frage nach dem Sinn des Lebens, die der Geschichte inhärent ist, beantwortet, beziehungsweise andeutet - das ist so "überraschend erfreulich", dass Spreckelsen den Figuren gerne persönlich alles Gute wünschen würde, ohne allerdings zu viel verraten zu wollen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.01.2025
Einen "raffinierten, fein ziselierten Roman" über das Leben kurz vor dem Tod hat Rezensentin Sylvia Staude hier vor sich. Vincent, der mit seinen Eltern und anderen Personen am Mittelmeer Urlaub machen will, hat nur noch einige Monate zu leben. Seltsamerweise wird die ganze Gruppe, die eine "holprige" Flugzeughandlung hinter sich hat, vom Rest der Inselbewohner ignoriert. Bald wird klar, so Staude, dass sich die Figuren hier nicht (mehr) in der realen Welt bewegen und Vincent sich über seinen Tod auch keine Gedanken mehr machen muss. Die Verantwortlichen im Jenseits haben da wohl einen Fehler begangen, verrät Staude, jedenfalls scheint die Welt um die Feriengäste herum immer mehr zu schrumpfen. Vincent kann trotzdem noch eine tolle Sex-Nacht verbringen und in der Hölle, in die es die Figuren schließlich verschlägt, ist eine Bar, in der sich Amy Winehouse und Frank Sinatra tummeln. Also kein düsterer Roman über die Unausweichlichkeit des Todes, resümiert die Kritikerin, sondern ein klares "Carpe Diem".