Sven Hillenkamp erzählt von den Möglichkeiten der Liebe, des Sex, der Partnerwahl, der Ausbildung, der beruflichen und seelischen Selbstentwicklung, der Körpermanipulation, des Erfolgs, der Berühmtheit. Er erzählt von einer Welt, in der die Menschen sich permanent sehnen müssen, weil sie meinen, dass sie immer noch etwas Besseres erreichen könnten. Dies ist kein Sachbuch, denn es bleibt nicht sachlich. Es ist ein Buch, das maßlos übertreibt - über eine Wirklichkeit, die maßlos übertreibt. Es ist das expressionistische Gemälde einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, die keine Grenzen mehr kennt, in der unendliche Freiheit umkippt in Zwang, unbegrenzte Möglichkeiten in die große Unmöglichkeit der Liebe. Am Ende steht, so der überraschende Befund, die Rückkehr zur Vernunftehe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2009
Mit großem Enthusiasmus stellt Schriftsteller Georg Klein Sven Hillenkamps langen Essay über das "Ende der Liebe" vor. Weder Beziehungsratgeber noch larmoyante Verlustklage sei das Buch, sondern eine sehr gründliche Analyse des gegenwärtigen Zustands des Gefühls, das Anfang des 19. Jahrhunderts als "romantische Liebe" zum Ideal wurde und in den sechziger Jahren seinen "historischen Zenith" erreichte, erklärt der Rezensent. Nach Hillenkamp stellt die heutige Zeit ein Höchstmaß an Freiheit dar, in der "Totalität der Möglichkeiten" liegt aber ihre Unmöglichkeit begründet, so Klein zustimmend. Vollkommen richtig findet er die "aggressive" Verallgemeinerung, mit der der Autor seine steilen Thesen vertritt, denn damit verhindere er Relativierung und erreiche seine Leser sehr direkt. Akribisch nimmt Hillenkamp die Seelenräume des modernen Individuums unter die Lupe und attestiert dem Subjekt einen "universellen Sehnsuchtswahn". Für ihn ist dieses Buch, das mit "bestürzend heller Einsicht" aufwartet, von herausragender Wucht. Bei der vernichtenden Diagnose für die Liebe gibt es aber in dem Essay auch vergangene oder gegenwärtige Beispiele für ein Gelingen und die sind derart "herzöffnend" und wunderbar, dass Klein den Lesern ihre Entdeckung bei der Lektüre nicht vorwegnehmen will.
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