Der Ton wird aggressiver, auch in der populären Musik: Die Texte werden hasserfüllter, die Musik martialischer. Jens Balzer sieht hier eine klare Parallele zur politischen Debatten-Unkultur. Er seziert die Spannungsfelder eines kulturellen Feldes, dessen rhetorische Methoden und gezielt provozierende Haltungen auffallend denen der neuen Populisten ähneln.Zweifellos ist Pop ohne Provokation, ohne das Spiel mit Tabubrüchen nicht vorstellbar. Und diese Freiheit der Kunst darf weder einem moralischen Rigorismus noch politischen Interessen geopfert werden, betont Balzer. Das heißt aber nicht, dass man Verrohung, brutalen Sexismus und explizite Aufrufe zur Gewalt widerspruchslos hinnehmen muss. Vielmehr gilt es, sich über die roten Linien einer jeden Massenkultur zu verständigen.An vielen Beispielen - vom Echo-Skandal bis zur Debatte über "cultural appropriation" im Pop - zeigt Jens Balzer, wie schwierig es geworden ist, zwischen populär und populistisch zu unterscheiden. Und versteht es zugleich, für einen Pop zu begeistern, der mit den Mitteln der Kunst Freiheit und Solidarität feiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2019
Tobias Rüther liest Jens Balzers Essay über Verantwortung in der Musik mit Interesse. Balzers Zweifel angesichts notorischer Grenzüberschreitungen im Hiphop, seine Konstatierung eines Schulterschlusses von reaktionärem Mainstream und Bushido, Kollegah und Co. sowie seine Forderung nach mehr Wachheit und Fachkenntnis im Musikjournalismus scheinen Rüther nachvollziehbar. Wenn Balzer den Takt aus Aggression und Viktimisierung sowohl im Gangstarap als auch bei deutschen Rechtspopulisten ausmacht und die Konflikte der Gegenwart in den Skandalen im Pop gespiegelt sieht, geht Rüther ein Licht auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.07.2019
Rezensent Maximilian Senff lässt sich vom Popkritiker Jens Balzer die Uninspiriertheit der Neuen Rechten in Erinnerung rufen. Dankbar zeigt sich der Rezensent für Balzers Darlegung der Mechanismen, die Rapper wie Bushido zu Sprachrohren des reaktionären Mainstreams machen und zugleich zur Zielscheibe der AfD als warnende Beispiele für fehlerhaftes Multikulti. Die Parallelen zwischen dem Erfolg des Rechtspopulismus und dem des Gangsterraps sowie zwischen der jeweils verwendeten Rhetorik vermag der Autor Senff zu erläutern und den prinzipiellen Mangel an Sexyness im rechten Pop zu vermitteln.
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