Aus dem Englischen von Lea Dunkel. An einem einsamen englischen Küstenort, wo das Marschland auf den Ozean trifft, wo Vögel die bessere Gesellschaft sind, lebt Fran eine ereignislose Routine. Sich um den Campingplatz kümmern, ihren Sohn von der Schule abholen, Abendessen kochen. Freude findet sie nur an den verschiedenen Vogelarten, die sie am Strand beobachten kann. Doch Frans stilles Leben wird plötzlich erschüttert, als die Lehrerin ihres Sohnes verschwindet und Roma in der Nachbarschaft ihr Lager aufschlagen. Zwischen Gerüchten und Anschuldigungen kommen Geheimnisse ans Licht, denen Fran verzweifelt zu entfliehen versucht. Als die Lehrerin tot aufgefunden wird, droht alles auseinanderzubrechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2025
Rezensentin Maria Wiesner zeigt sich von Sophie Morton-Thomas' Küstenkrimi eher ernüchtert. Zwar beginnt die Geschichte mit einer interessanten Doppelperspektive - Fran, Betreiberin eines Campingplatzes, und der ältere Nachbar Tad erzählen abwechselnd - doch bleibt laut Wiesner unklar, warum sie das überhaupt tun. Der Mord an einer Lehrerin geschieht spät, der Versuch, über Tads und Frans Erzählungen Hinweise zu streuen, misslingt: Zu oft liefern sie entscheidende Details viel zu spät nach, schreibt die Kritikerin. Auch das atmosphärische Dräuen, etwa wenn Fran meint, "die Kälte ist wie vielbeiniges Getier, das meine Wirbelsäule hochkrabbelt", findet Wiesner eher aufgesetzt. Morton-Thomas wolle offenbar ins Seelenfinstere, doch es fehlt an Menschenkenntnis, kritisiert die Rezensentin: Der Schluss wirkt für sie schlicht unglaubwürdig.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.07.2025
In ein "komplexes Familiendrama" taucht Rezensentin Katrin Doercksen mit dem Roman der englischen Schriftstellerin Sophie Morton-Thomas ab. Die Geschehnisse können wir vor allem durch die Augen der Protagonistin Fran miterleben, deren Perspektive die Autorin nuanciert zu vermitteln weiß. Fran ist besessen von Vögeln, eine Leidenschaft, mit der sie den drögen Dorfalltag, aber auch ihre für sie überfordernde Familie wegdrängt. Selbst ihre Kinder vernachlässigt sie, die sich in der Folge lieber bei einer Gruppe Roma und Sinti aufhalten, die sich in der Nähe des Ortes angesiedelt hat. Morthon-Thomas entfaltet einen psychologischen Krimi, der nach und nach die heile Fassade der Dorfgemeinschaft abträgt: Denn im Ort werden nicht nur Vögeln die Köpfe abgerissen, es verschwinden auch Personen spurlos, erzählt die Kritikerin. Ein atmosphärischer Krimi, der nicht nur seine Figuren, sondern auch die Leserschaft mit eigenen Vorurteilen konfrontiert.
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