Aus dem Serbischen von Masa Dabic. In dieser Anti-Utopie entmythologisiert Sreten Ugricic das Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo, das hundert Jahre lang in Serbien bejubelt wurde. Der Autor entlarvt eine repressive, vom Virus des Nationalismus zersetzte Gesellschaft. Er stellt literarisch die Frage nach der Position, die der Einzelne in einer solchen Gesellschaft einnehmen kann, und reflektiert poetisch die Konsequenzen von Manipulation durch den Staat und von systematischer Freiheitsbeschränkung. Die Hauptfigur des Romans ist der unbekannte Held, der sich nicht, wie im Mythos, für sein Vaterland aufopfert, sondern seinen eigenen Mythos zu entlarven versucht. Sreten Ugricics Roman ist eine provokative Allegorie auf Serbien, die aber auch auf andere Staaten übertragen werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2011
Am meisten beunruhigt Uwe Stolzmann an diesem Buch seine Bezeichnung als Nichtfiktion. Was Sreten Ugricic damit sagen möchte: Der ganze diktatorische Wahnsinn, den ich beschreibe, er existiert, auch wenn Tito längst verwest ist. Als Roman gelesen würde das Buch dem Rezensenten dabei richtig Spaß machen. Ein Geheimdienstchef mit Narrenkappe, eine Landeskunde als Aufzählung von Anomalien und ein Diktator, der niemals schläft und den alle nur "wunderbar" nennen. Das Land, um das es geht, heißt übrigens Serbien. Moment mal, denkt der Rezensent, aber das Land, das gibt es wirklich.
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