Stanley Kubrick

Bertz und Fischer Verlag, Berlin 1999
ISBN
9783929470789
Broschiert, 319 Seiten, 15,24
EUR
Klappentext
Mit Beiträgen von Lars-Olav Beier, Andreas Kilb, Rainer Rother, Annette Kilzer, Frank Schnelle u.a. Mit 806 Fotos. Das Buch enthält kontroverse Porträts von Kubrick, ausführliche und streitbare Texte zu allen seinen Filmen - von "Fear and Desire" (1953) bis zu "Eyes Wide Shut" (1999) -, einen umfangreichen Essay ("Der Stilist") sowie eine detaillierte Filmographie und eine umfassende Bibliographie. Bebildert ist das Buch mit vielen Stand- und Werkfotos, Storyboards und Produktionsskizzen sowie zahlreichen Bildsequenzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2000
In einer Sammelrezension von vier Büchern über Stanley Kubrick stellt Peter W. Jansen bedauernd fest, dass keines davon eine wirklich "kritische Auseinandersetzung mit der Kubrick-Rezeption" bietet.
1) Rolf Thissen: "Stanley Kubrick. Der Regisseur als Architekt" (Heyne-Filmbibliothek)
Dieses Buch mag der Rezensent nicht so recht empfehlen, es sein denn, man ist zufrieden damit, "schnell und anspruchslos" informiert zu werden. Das Versprechen des Untertitels sieht er jedenfalls nicht eingelöst. Allzu simpel gestrickt und schnell geschrieben erscheint ihm der Band, und er kritisiert die schlechte Qualität der abgedruckten Fotos und Drehpläne. Die "filmographischen Angaben" sind seiner Ansicht nach zu spärlich und eine Bibliografie fehlt ganz, wie Jansen ernüchtert feststellt.
2) Georg Seesslen/Fernand Jung: "Stanley Kubrick und seine Filme" (Schüren/"arte"-Edition)
An diesem Band hebt der Rezensent den "konzentrierten, einheitlichen Blick auf den Regisseur und sein Werk" hervor. Den Autoren gelingt es seiner Ansicht nach, die "Einheit und Kontinuität" in Kubricks Schaffen recht gut deutlich werden zu lassen. Jansen lobt die Genauigkeit und die Interpretationen der Filme, merkt allerdings an, dass hinsichtlich der Quellenangaben bisweilen etwas mehr Präzision nicht geschadet hätte. Die Druckqualität der Bilder lässt seiner Ansicht nach ebenfalls zu wünschen übrig.
3) Andreas Kilb/Rainer Rother u.a.: "Stanley Kubrick" (Bertz-Verlag)
Jansen lobt hier, dass immerhin zugegeben wurde, dass es sich bei den Aufsätzen um "überarbeitete Reprints" handelt, schließlich sei Kubrik ja sehr unerwartet gestorben und Eile war geboten. Angesichts dieser Tatsache hebt er besonders die "vorzügliche Filmographie" hervor und auch die "aktuelle Bibliographie", die ihm noch viel besser gefallen würde, wäre sie in augenfreundlicher Buchstabengröße gedruckt. Ansonsten lobt er jedoch die schöne Ausstattung des Bandes und die vielen Bilder in exzellenter Druckqualität. Bei den Aufsätzen fällt ihm vor allem das junge Alter der Autoren auf, die dem Regisseur mit geradezu "filmhistorischem Abstand" begegnen. Kritisch merkt er jedoch an, dass der Leser hier viel über die "unterschiedlichen Temperamente" der Autoren erfährt, jedoch kaum ein Bezug der Texte untereinander feststellbar ist. Kubricks Filme erscheinen dem Leser daher so, als ob sie nur wenig miteinander zu tun hätten.
4) Alexander Walker/Sybil Taylor/Ulrich Ruchti: "Stanley Kubrick. Leben und Werk" (Henschel-Verlag)
Von allen vier Büchern scheint dem Rezensenten dieses am besten gefallen zu haben. Schließlich hat der Kubrick-Vertraute Walker nicht nur bereits 1971 sein erstes Buch über den Regisseur veröffentlicht, sondern auch und vor allem zahlreiche Gespräche mit Kubrick persönlich geführt. Besonders hebt Jansen hervor, dass Walker auch auf die Vorgehensweise Kubricks eingeht, wie beispielsweise auf die Faszination von einem Thema die Idee zur Verfilmung folgte, bei der Kubrick absichtlich die Vorstellung einer "visuellen Darstellung" zunächst vermied. So erfährt man, wie Jansen betont, auch viel über die Vermittlung von Ideen, die Kubrick offensichtlich besonders am Herzen gelegen haben. Allerdings bedauert der Rezensent das "unsensible" Layout und die schlechte Druckqualität dieses Bandes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
Verena Lueken bespricht den Band zusammen mit zwei weiteren Büchern über Stanley Kubrick.
1) Alexander Walker: "Stanley Kubrick. Leben und Werk"
Walkers Monographie stellt Lueken als einen Klassiker dar und betont,
dass sie 1972 im Original zuerst erschien und dass es sich hier um eine
aktualisierte Neubearbeitung handele, die nun dankenswerterweise im
Henschel Verlag herausgebracht wurde. Walkers Analysen findet Lueken
zwar manchmal naiv, aber sie betont die Verdienste des Bandes. Walker
habe zum Beispiel als erster die filmische Bedeutung von Korridoren bei
Kubrick benannt, die schon in "Paths of Glory", aber auch noch in "Eyes
Wide Shut" einen Übergang von einer Welt in die andere darstellten.
2) Lars-Olav Beier, Andreas Kilb, Rainer Rother u.a.: "Stanley Kubrick" (Dieter Berz Verlag)
An diesem Buch gefällt Lueken die zwar respektvolle, aber nicht
ehrfürchtige Art des Argumentierens. Der Band sei frei vom "Salbadern
auf hoher Note", das die Filme Kubricks oft provozierten. Andreas Kilb
zum Beispiel spreche offen aus, dass "Eyes Wide Shut" letztlich eine
Enttäuschung gewesen sei - Tom Cruise sei in seiner Rolle überfordert.
Beier weise auf die Wichtigkeit der Populärkultur bei Kubrick hin.
Gerhard Midding, ein weiterer Autor des Bandes, spreche gar die
"Gefühllosigkeit" des Regisseurs an.
3) Georg Seeßlen, Ferdinand Jung: "Stanley Kubrick und seine Filme" (Schüren Verlag)
Bei dem Band von Seeßlen und Jung stellt Lueken einen philosophischeren
Ton fest, dem sie nicht immer folgen mag. Der Band sei ganz und gar frei
von Humor, nüchterne Informationen, etwa über Drehzeiten, würden über
der Anstrengung des Begriffs oft vergessen. Trotzdem findet sie einige
Passagen bei Seeßlen - etwa über das Doppelgängermotiv bei Kubrick -
äußerst erhellend. Auch seine Erörterungen über Kubricks Dramaturgie
stoßen auf ihr Interesse.
Alle drei Bände enthalten nach Angaben der Rezensentin eine kommentierte
Filmografie und Bibliografie, letztere sei bei Seeßlen nicht ganz
komplett.
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