Die völkische Bewegung war ein loses Konglomerat von Vereinen und Parteien, die in ihrer Ideologie Rechtsnationalismus, Kritik an der Zweiten Moderne und Mittelstandsorientierung verbanden. Nach einem ersten Höhepunkt Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts erlebten sie nach dem ersten Weltkrieg einen starken Zustrom, der sowohl Massenorganisationen wie den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund hervorbrachte, als auch völkische Flügel bei Parteien wie den Deutschnationalen entstehen ließ. Die NSDAP versuchte mit Erfolg, sich selbst als treibende Kraft der völkischen Bewegung zu profilieren. Vor der Folie des Nationalsozialismus ist heute jede Beschäftigung mit der Völkischen Bewegung zu sehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2009
Das Völkische hat viele Gesichter. Dass wir es bei der Erforschung der "völkischen Bewegung" nach 1933 mit einem Desiderat zu tun haben, weiß Rainer Hering. Um so mehr freut er sich, wenn mit dem Hamburger Soziologen Stefan Breuer jetzt ein Kenner der deutschen Rechten von 1871 bis 1945 eine Gesamtdarstellung vorlegt. Hering erklärt zwar, das Spektrum der Bewegung sei umfassender, als es Breuer hier auffächert, indem er Artikulations- und Organisationsformen, Vereine, Verbände und Parteien in den Blick nimmt. Als kenntnisreiche Überblicksdarstellung hat ihm die chronologische wie systematische Erfassung der beiden Perioden Kaiserreich und Weimarer Republik dennoch gefallen. Das hält Hering nicht davon ab, den Leser auf Breuers nationalistische Definition des Volksbegriffes hinzuweisen, die laut Rezensent zu kurz greift. Und auf Fragwürdigkeiten in der Argumentation ("aus historischer Perspektive nicht immer überzeugend") und im sprachlichen Ausdruck ("wenig zielführend").
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2008
Als "Standardwerk ersten Ranges" würdigt Hans Mommsen diese Geschichte der völkischen Bewegung im deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik, die Stefan Breuer vorgelegt hat. Er bescheinigt dem Autor, völkisches Denken und völkische Bestrebungen seit dem Kaiserreich glänzend zu analysieren und damit auch die ideologische Heimat von Hitlers weltanschaulichen Ansichten zu erhellen. Die ebenso "faszinierende" wie "anspruchsvolle" Darstellung erschließt seines Erachtens detailliert das breite Spektrum zahlloser völkischer Bewegungen, Organisationen, Parteien und Vereine. Er unterstreicht Breuers Abgrenzung des Begriffs des Völkischen vom "alten" Nationalismus und Rassismus und hebt Bestimmungskriterien wie eine zwiespältige Haltung gegenüber der Moderne, Mittelstandsideologie sowie Hypostasierung des Volksgedankens hervor. Die Ergebnisse des Werks laufen für ihn in vielen Punkten auf eine Korrektur der "herrschenden Meinung" hinaus.
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