Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.09.2003
Kersten Knipp ist mit Stefan Breuer durch die Geschichte der modernen Fundamentalismen geschlendert, ohne sich in Gefahr zu begeben. Denn Fundamentalismus meint hier Eskapismus - die gedanklichen und künstlerischen Weltfluchten von Dichtern und Denkern von Rousseau über Schopenhauer und Stefan George bis hin zu Marcuse, Verächtern fragmentierter Gegenwart, die im Abseits der störenden, nicht integrierbaren Wirklichkeit nach "Einheit, Ganzheit, Sinn" suchten, hin und wieder "weitsichtige Einsichten" produzierten, vor allem aber "haltlose Phantasien" und Belanglosigkeiten. Ihre Wirkung, so Knipps Lektüreerkenntnis, bezogen die modernen Fundamentalisten nicht aus überzeugenden Inhalten, sondern aus Verzauberungen ihres Publikums, ohne aber "die Herzen ihrer Leser ernsthaft zu bewegen". "Was bleibt", folgert Knipp, "ist Privatvergnügen". Ein solches scheint auch dieses aufschlussreiche Buch bereiten zu können.
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