In Erinnerungen und Essays verknüpft Stefan Müller-Doohm Frankfurt als geistige Lebensform, in welcher nach 1945 deutsche Geschichte, Philosophie und Literatur ihre eigene Modernität entfalten. Die biografischen Erinnerungen im Gespräch und die Essays beschreiben, wie für den Autor Frankfurt als kultureller Erfahrungsraum die soziologische Weltsicht und die philosophische Selbstfindung beeinflusste. Seit den Jugendjahren am Eisernen Steg wurde durch direkte Konfrontation mit dem Ungeheuerlichen der deutschen Vergangenheit, verstärkt durch den Auschwitz Prozess, das Drängen nach Verstehen und ethischer Orientierung virulent. Die persönliche Präsenz des ungewöhnlichen Verlegers VauO Stomps hinterließ ebenso tiefe Spuren wie die akademischen Lehrer Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas. Auch trugen Konfrontationen wie mit dem Jazz und Theater, aber auch die Politisierungsprozesse im Zuge der 68er-Studentenbewegung dazu bei, dass treibhausmäßig ein generationsspezifischer intellektueller Habitus einer Frankfurter Moderne gedeihen konnte. Diese verknüpft jüngste Geschichte, Philosophie, Literatur und Musik so, wie Thomas Mann und Theodor W. Adorno sie in ihrer Diskussion um den "Doktor Faustus" zur Sprache brachten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2026
Sehr wohl fühlt sich Rezensent Bernd Eilert in diesem Buch, das Erinnerungstexte, Essays und Gespräche Stefan Müller-Doohms mit Frankfurtbezug versammelt. Doohm wuchs in Frankfurt in einer bildungsbürgerlich geprägten Familie auf, wobei er sich bald zu den das Bürgertum kritisch sezierenden Theoretikern der Frankfurter Schule, insbesondere zu Theodor Adorno hingezogen fühlte. Auch Thomas Mann und Jürgen Habermas gehören zu den kritischen Frankfurtern, mit denen sich Müller-Doohm immer wieder auseinander setzt. Vor allem ist es jedoch Adorno und seine Sprachkunst, vor denen sich Müller-Doohm wieder und wieder verbeugt, unter anderem in seinen essayistischen Lektüren der "Minima Moralia". Eilert, der selbst auch Adorno-Fan ist, freut sich über die kluge und bescheidene Art und Weise, in der Müller-Doohm auf die Vergangenheit einer Stadt und ihrer Bewohner blickt.
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