Das Titelzitat "Vom Segen des Krieges" macht deutlich: Die Mehrheit der katholischen Studierenden und Studierten erhoffte sich vom Ersten Weltkrieg eine heilende Wirkung auf die von ihnen beklagten Krankheiten der modernen Gesellschaft. Die Studie liefert grundlegende Erkenntnisse über die Elite des deutschen Katholizismus in den Jahren 1914-1918 und ihre Deutung eines Krieges, der als "Urkatastrophe" in die Geschichtsbücher der Welt eingehen sollte. Anhand vieler neu erschlossener Quellen und Bilddokumente kann der Autor aufzeigen, dass auch für die gebildeten Katholiken die militärische Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg völlig unerwartet kam und insofern eine schwere Hypothek für die nachfolgende erste deutsche Republik bedeuten musste.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2005
Insgesamt zufrieden zeigt sich Rezensent Rudolf Lill mit Stephan Fuchs' Studie über die Rolle von katholischen Akademikern und ihren Studentenverbindungen im Ersten Weltkrieg. Trotz päpstlicher Mahnungen zu Frieden oder Neutralität habe sich der Katholizismus um 1914 dem Nationalismus nicht so entgegengestellt, wie es seiner Idee entsprochen hätte, berichtet Lill. "Sehr detailliert", schildere Fuchs, wann und wie die Nationalisierung katholischer Akademikerverbände erfolgte. Zu Recht greife er dazu erklärend zurück. Dass Wilhelm II. ihnen zur Seite trat, habe viele katholischen Studenten auf dem Weg nach rechts bestärkt. Etwas Bedauerlich findet Lill allerdings, dass Fuchs kaum über seinen Gegenstand hinausblickt. So vermisst er etwa einen Vergleich mit Frankreich und Italien.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2005
Leser dieses Buches sollten sich für die katholische Kriegspredigt interessieren, empfiehlt Gerd Krumeich, da Stephan Fuchs' Studie über katholische Akademiker im Ersten Weltkrieg sehr akribisch alle kriegsrelevanten Äußerungen katholischer Studentenverbände aus jener Zeit ausgewertet habe, was die Lektüre etwas anstrengend mache, gesteht Krumeich ein. Über den studentischen Bereich hinaus stelle der Verfasser leider keine Vergleiche im katholischen Milieu an, bemängelt der Rezensent, auch Unterschiede in der Kriegsbegeisterung von Protestanten und Katholiken ließen sich nur erahnen. Zwei oder drei wichtige Erkenntnisse hat Krumeich aber doch aus der Lektüre des Buches gezogen: Erstens wie groß die Hoffnung der kriegsbegeisterten Katholiken war, dass der katholische Teil der Bevölkerung im überwiegend protestantischen Deutschland echte Gleichberechtigung erfahren würde, Zweitens dass der Antisemitismus im katholischen Akademikermilieu keine große Rolle gespielt hat und dass es drittens durchaus auch Kriegskritik gegeben hat. Ansonsten hat Fuchs eine bibliografisch ziemlich komplette Arbeit vorgelegt, meint Krumeich leicht abschätzig.
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