Dr. Fritz Gerlich zählt zu den frühen Opfern des Hitler-Regimes. Er hat in seiner Zeitung "Der gerade Weg" die NSDAP und ihre Führer so scharf angegriffen wie kein anderer Publizist in Deutschland. 1934 wurde er in Dachau ermordet. Der 1883 in Stettin geborene und seit 1901 in München lebende Historiker war im calvinistisch-reformatorischen Bekenntnis aufgewachsen. Er konvertierte 1931 zum Katholizismus, beeindruckt von der stigmatisierten Therese Neumann in Konnersreuth. In der Wochenzeitung "Der illustrierte Sonntag", seit 1932 "Der gerade Weg", bekämpfte Gerlich den Bolschewismus wie den Nationalsozialismus und prophezeite die schreckliche Wirklichkeit des "Dritten Reiches". Die Edition beruht auf dem Nachlass Gerlich, ergänzt um amtliches Schriftgut. Sie belegt auch die Bekennerhaltung des 1933 entlassenen Archivars während seiner 16-monatigen "Schutzhaft".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2010
Rezensent Eberhard Kolb begrüßt diese von Rudolf Morsey herausgegebene Dokumentensammlung aus dem Nachlass des Publizisten Fritz Gerlich. Er lobt die hervorragende Edition der Briefe und Akten sowie die einleitenden Informationen über die Gerlich-Forschung und die Darstellung des Lebenswegs dieses ungewöhnlichen Mannes, der wegen seines engagierten Kampfes gegen den Nationalsozialismus 1934 im KZ Dachau ermordet wurde. Besonders geht Kolb auf die scharfen Angriffe gegen Hitler ein, die der vom Protestantismus zum Katholizismus konvertierte Gerlich in seiner Wochenzeitung "Der gerade Weg" führte. Kolb erzählt von Gerlichs Nähe zum Konnersreuther Kreis, in dem man die Überzeugung teilte, aus den Worten der stigmatisierten Bauerntochter Therese Neumann spreche der Heiland persönlich. Im vorliegenden Band findet Kolb insbesondere die publizistischen Aktivitäten dieses Kreises dokumentiert. Daraus geht für ihn auch hervor, dass Gerlich ein komplizierter Mensch, ja eine "bizarre Persönlichkeit" war. Gleichwohl zollt er ihm "Respekt ob seiner Standfestigkeit".
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