Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Nachwort von Aris Fioretos. Bengt, ein junger Mann aus dem Arbeiterviertel Stockholms, der gerade an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht, gerät durch den unerwarteten Tod seiner Mutter aus dem Gleichgewicht. Sein Vater Knut hat eine neue Frau kennengelernt, Gun, die im Stadtteilkino Eintrittskarten verkauft. Bengt weigert sich jedoch zu akzeptieren, dass sein Vater eine neue Person in ihren geschützten Alltag einlässt, dass das Leben auch ohne seine Mutter weitergeht. Mit lodernder Eifersucht steigert er sich in die radikale Verurteilung seines Vaters und in die fieberhafte Ablehnung der neuen Frau hinein - und immer deutlicher wird, wie stark er selbst sich zu ihr hingezogen fühlt. In einer intensiven psychologischen Innenschau, die Bengts adoleszente Abgründe sichtbar macht, lässt Stig Dagerman uns teilhaben an den Obsessionen seines Helden...
Intensive Lektüre bekommt Christoph Schröder mit dem neu übersetzten Roman von Stig Dagerman von 1954. Die Geschichte um die Einsamkeit eines jungen Mannes, der nach dem Tod der Mutter tief trauert und sich immer weiter vereinzelt, überzeugt Schröder sowohl mit ihrer Konstruktion, der ständigen Spiegelung von Außen- und Innenwelt, als auch mit seiner mal expressiven, mal kargen Sprache. Ein paar Längen hat das Buch auch, warnt der Rezensent, Wucht und Schmerz darin sind aber ungleich stärker, so Schröder sichtlich beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2024
Zwischen "ödipaler Erotik" und tiefer Depression bewegt sich dieser rätselhaft-dunkle Roman des früh verstorbenen Schweden Stig Dagerman, den Rezensent Peter Urban-Halle nun dank der Neuübersetzung im Guggolz-Verlag lesen kann. Im parataktischen, radikal präzisen, fast bildlosen Stil erzählt Dagerman vom Studenten Bengt, dessen Mutter gerade gestorben ist - er hatte sie geliebt, Trost findet er erst in der Geliebten des Vaters, mit der er während eines Urlaubs schläft, rekapituliert Urban-Halle die Handlung. An Kafka erinnert diese düstere Geschichte, die immer auch an den Suizid denken lässt, ebenso wie an Hemingway und Schopenhauer, der Kritiker hofft, dass diese Neuausgabe dazu führt, dass Dagerman noch lange im Gedächtnis der Leserinnen und Leser bleibt.
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