Fredrik Sjöberg

Vom Aufhören

Über die Flüchtigkeit des Ruhms und den Umgang mit dem Scheitern
Cover: Vom Aufhören
Galiani Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783869711584
Gebunden, 192 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Paul Bjerf. Die Schönheit des Scheiterns: Zwei Maler, zwei Schicksale - und das große Vergessen Eigentlich wollte Fredrik Sjöberg das Schreiben aufgeben: Er hatte keine Schulden mehr und genügend Brennholz hinter dem Haus, das war alles, was er sich je versprochen hatte. Doch da gab es diese Geschichte, die erzählt werden wollte. Sie dreht sich um zwei Künstler, die heute so gut wie vergessen sind und deshalb wohl als "gescheitert" betrachtet werden können. Und es geht um die Frage, was das überhaupt heißt, scheitern - und ob es nicht vielleicht sogar etwas Gutes ist? Womöglich sogar eine echte Kunst? Olof Ågren, geboren 1874, war ein Eremit, der viele Jahre einsam auf der Felseninsel Krokholmen lebte, wo er nachts mit dem Bart am Kissen festfror. Als eine Ausstellung in Stockholm doch noch den späten Ruhm brachte, bat Ågren alle, sich zum Teufel zu scheren, gab das Malen auf, kaufte sich einen Bauernhof auf steinigem Grund und verbrachte den Rest seines sehr langen Lebens als ein nach allen weltlichen Maßstäben gescheiterter Bauer. Lotte Laserstein, geboren 1898, floh vor den Nazis 1937 nach Stockholm, wo sie in derselben Galerie ausstellte wie Ågren. Auch ihre Ausstellung war ein Erfolg, die Gemälde grandios. Doch nach der Ermordung ihrer Mutter im KZ gelang es ihr nicht mehr, ihr künstlerisches Niveau zu halten. Mit Auftragsarbeiten hielt sie sich über Wasser, während ihr gewaltiges Hauptwerk Abend über Potsdam in ihrem Wohnzimmer hing. Beinahe zufällig wurde auch ihr in hohem Alter noch später Ruhm zuteil. Begegnet sind die beiden sich nie, doch Sjöberg gelingt es, die Biografien dieser sonderbaren Außenseiter miteinander zu verknüpfen und ihr ganz unterschiedliches "Scheitern" so zu beleuchten, dass dabei viel Bewegendes, Skurriles und Schönes ans Licht kommt - immer auch auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: Wofür mache ich das hier eigentlich alles?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2018

Wer so schön und kenntnisreich vom Scheitern erzählt wie Fredrik Sjöberg in seinem neuen Buch, braucht keine Angst vor dem Versagen zu haben, meint Rezensentin Katharina Rudolph nach der Lektüre dieses Doppelporträts über die deutsche Malerin Lotte Laserstein und den schwedischen Maler Olof Agren. Sie begibt sich hier mit dem schwedischen Autor auf die Spuren der beiden lange Zeit vergessenen Maler, denen Sjöberg laut seiner Erzählung durch zufällige Flohmarkt-Funde begegnet, liest gespannt, wie Sjöberg geradezu "detektivisch" die Lebensgeschichten der beiden rekonstruiert und freut sich über zahlreiche Exkurse und "Kuriositäten", die der Autor leichthändig einflicht. Poesie, Humor und Empathie machen das Leseglück für Rudolph vollkommen.

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