Die hier versammelten Texte stehen unter dem Themenschwerpunkt 'Identität, Ideologie und Repräsentation'. Sie bieten theoretische Werkzeuge für ein politisches Denken, das unterschiedlichen Identitäts-Logiken Raum gibt, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhang, die Kritik des Ganzen, aufzugeben.
Voll des Lobes ist Robert Misik für den nun vorliegenden vierten Band der "Ausgewählten Schriften" von Stuart Hall, einem der Gründerfiguren der Cultural Studies und der britischen Neuen Linken. Halls Essays zu den Fragen Identität, Multikulturalismus, Stereotypisierungen und Hybridität führten den Leser durch eine globalisierte Welt voll kultureller Paradoxien. In seiner Besprechung geht Misik insbesondere auf Halls Auseinandersetzung mit Kategorien wie Ethnizität und Identität ein. Dabei hebt er hervor, dass Hall die "leicht exzentrische Verspielt" mancher zeitgenössischen Theorie nicht teilt, sondern "gewissermaßen vernünftig" bleibt. Was die Schriften für Misik "so fruchtbar" macht, sind vor allem Halls "Grenzgängertum und seine Aversion gegen übertriebene Originalität". Hall verliere sich nie in "hermetischen Theoriejargon", Gemeinverständlichkeit sei ihm ein Anliegen. "Hall ist", resümiert Misik, "kurzum, ein Radikaler mit Realitätssinn - und genau darum extrem lesenswert."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.02.2005
Auch wenn inzwischen mehr vom theoretischen Vermächtnis der Cultural Studies die Rede ist, als von ihrem aktuellen Stellenwert, lohnt nach Ansicht von Gottfried Oy die Lektüre von Stuart Halls Texten zu Ideologie, Identität und Repräsentation, die Juha Koivisto und Andreas Merkens als vierten Band der Ausgewählten Schriften Halls herausgegeben haben. Oy würdigt Hall als einen der "berühmtesten Vertreter" der Cultural Studies und verweist auf den eminent politischen Anspruch seiner Schriften. Neben ideologietheoretischen Grundlagentexten aus der marxistischen Debatte der 1970er- und 1980er-Jahre enthält der Band eine Studie über Repräsentationspolitik und politische Stellungnahmen etwa zur mannigfaltigen Verwendung des Multikultur-Begriffes sowie mit "Kodieren/Dekodieren" einen der berühmtesten Texte Halls, ergänzt um ein Interview über Probleme der Publikumsforschung. Oy geht vor allem auf Halls Suche nach einer neuen Politik der Repräsentation ein, die sich überlieferten rassistischen Darstellungen verweigert, sowie auf seine Beschäftigung mit den Effekten des Multikulturalismus auf das westliche politische System. Er hebt hervor, dass Hall die Zukunft des demokratischen Multikulturalismus in der Durchsetzung von Freiheit und Gleichheit in Anerkennung der Differenz sieht. "Ein hehres Ziel", kommentiert der Rezensent, "dem der politische Wind mehr denn je gehörig entgegenpfeift".
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