Sue Prideaux

Ich bin Dynamit

Das Leben des Friedrich Nietzsche
Cover: Ich bin Dynamit
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2020
ISBN 9783608982015
Gebunden, 560 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Pfeiffer und Hans-Peter Remmler. Wir erleben das kurze, kometengleiche Leben des Friedrich Nietzsche hautnah mit: Von der beschaulich-christlichen Erziehung, überschattet durch den mysteriösen Tod des Vaters, folgen wir Nietzsche nach Basel, in die Einsamkeit der Schweizer Alpen, erleben das Pathos seines Zarathustra, seine Dramatisierung des Nihilismus und seinen Absturz in den Wahnsinn. Nietzsche ist ein philosophisches Ereignis und eine weltgeschichtliche Existenz ohnegleichen. Alle Generationen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hat er beeinflusst und geprägt - mehr als Karl Marx. Nietzsche sprengt die Philosophie, die Bildung, das Bürgerliche, das Menschliche-Allzumenschliche, vor allem aber das 19. Jahrhundert in die Luft. Wie Nietzsche von sich selbst sagte, ist er "kein Mensch, sondern Dynamit" und bis heute einer unserer erstaunlichsten und unheimlichsten Zeitgenossen geblieben. Nietzsche, einzigartig und tragisch - so, wie wir ihn noch nie gesehen haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2020

Rezensent Andreas Urs Sommer annonciert zwei Neuerscheinungen zu Friedrich Nietzsche, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die britisch-norwegische Schriftstellerin Sue Prideaux erzählt Nietzsches gesamten Lebensweg bis hin zu Hitlers Besuchen bei Nietzsches Schwester, der Münchner Philosoph Heinrich Meier konzentriert sich auf auf das letzte Schaffensjahr des Philosophen, resümiert der Kritiker. Prideauxs Buch stampft er allerdings gnadenlos in Grund und Boden: Auf Sekundärliteratur pfeifend erzähle sie Nietzsches Leben bloß "filmreif" nach, flüssig zwar und auch mit Gefühl für Atmosphäre und Landschaftsschilderungen, aber so voller Fehler, dass sich Sommer die Haare rauft: Im Luthertum gab es beispielsweise keine "Priesterweihe" und bei Nietzsche auch kein "Apollonisches", korrigiert er. Der ein oder andere Fehler mag an der Übersetzung liegen, aber ein bisschen Quellenkritik darf man auch von einem populärwissenschaftlichen Werk erwarten, findet er.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.05.2020

Rezensentin Marianna Lieder findet Sue Prideauxs Nietzsche-Buch überraschend erfrischend. Nicht dass die Autorin mit bahnbrechenden neuen Erkenntnissen über den Philosophen aufwarten kann, meint Lieder. Doch schon die Pointensicherheit, mit der Prideaux das Dreiecksverhältnis zwischen Nietzsche, Paul Rée und Lou Salomé behandelt, findet Lieder bemerkenswert. Ebenso imponiert ihr die Begeisterung der Autorin für ihren Gegenstand, ihr "entspannter Middlebrow-Ton" und das gewissenhafte Abrechnen mit Mythen (Syphilis, Turiner Pferd!). Insgesamt gefällt der Rezensentin die "unpolitische Lesart" Nietzsches, die Prideaux hier vorlegt.