Susan J. Brison

Vergewaltigt

Ich und die Zeit danach. Trauma und Erinnerung
Cover: Vergewaltigt
C.H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406521997
Gebunden, 192 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sigrid Langhaeuser. Während eines Aufenthalts in Südfrankreich wird die Amerikanerin Susan Brison bei einem morgendlichen Spaziergang niedergeschlagen, vergewaltigt und bis zur Bewußtlosigkeit gewürgt. Nur weil der Täter sein Opfer tot glaubt, überlebt Brison schwer verletzt. Zehn Jahre nach dem brutalen Überfall bringt sie die Kraft auf, sich diesem Ereignis schriftlich zu nähern, beginnt sie, Gefühle und Gedanken zu reflektieren. Zwar muss die ausgebildete Philosophin feststellen, daß der plötzliche Einbruch des Grauens, die Verletzung und Zerstörung der eigenen Identität, nicht mit den Mitteln der philosophischen Reflexion zu begreifen oder gar zu bewältigen sind.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Sehr beeindruckt zeigt sich Kathrin Kommerell von diesem "ungewöhnlichen Buch" der amerikanischen Philosophieprofessorin Susan J. Brison, die von ihrem Überleben nach einem versuchtem Sexualmord und der Überwindung ihres Traumas schreibt. Kommerell findet die Art, wie Brison über das schreckliche Erlebnis, den Schrecken danach und ihre Genesung berichtet, "sehr persönlich", "aber nie aufdringlich". Darüber hinaus stelle die Autorin "umfassende, oft philosophische Überlegungen" an. Aufschlussreich erscheinen der Rezensentin hierbei Brisons Plädoyer für das Erzählen in der ersten Person in der wissenschaftlichen Methodik, ihre Sicht des Selbst als Beziehungswesen, ihre Thematisierung von Paradoxien der traumatischen Erinnerung und ihre Behandlung des kollektiven Umgangs mit dem Trauma. Gemeinsame Katastrophen und persönliche Traumata werden gleichermaßen eingebettet in eine sinngebende Erzählung, eine Illusion, erklärt Kommerell. "Ihre eigene Erfahrung", so die Rezensentin, "zeigte Brison, wie stark der Wille der Umgebung ist, zu vergessen oder zu leugnen, dass jede menschliche Existenz so verletzlich und potenziell zerstörbar ist."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.08.2004

Hilal Sezgin gibt zu, dass dies ein Buch ist, vor dessen Lektüre man zunächst zurückschrecken könnte. Doch welch ein Fehler wäre dies! Denn bei Susan J. Brison findet man sich an der Seite einer ganz und gar gewinnenden Autorin wieder. Brison lehrt heute Philosophie, berichtet die Rezensentin, in dem Buch beschreibt sie, wie sie vor zehn Jahren bei einem Urlaub in Frankreich vergewaltigt wurde und seitdem kämpft, damit fertig zu werden. Sie erzähle von ihren Gesprächen mit Rechtsanwälten und Freunden, von Depressionen, Therapien und Flashbacks. Dabei, stellt Sezgin fast verwundert fest, verhehle sie nichts und schmücke nichts aus. Am berührendsten und auch am klügsten findet die Rezensentin aber jene Passagen, in denen Brison von ihrer schrittweisen, möglicherweise nie abgeschlossenen Heilung erzählt.

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