Laura Wolters legt mit ihrer umfassenden Studie die erste Soziologie der Gruppenvergewaltigung vor und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einem gesellschaftlich und politisch überaus relevanten Thema. Wenn sich im Winter die Übergriffe der Kölner Silvesternacht abermals jähren, wird in den Debatten wohl auf ein Neues die Frage nach dem "Warum" im Zentrum stehen. In einem Spannungsverhältnis zur öffentlichen Aufmerksamkeit und zum Ringen um die Ursachen von Gruppenvergewaltigungen steht der Umstand, dass es zu kollektiver sexueller Gewalt bislang wenig Forschung gibt, die dazu oft auch noch einen blinden Fleck aufweist: Das Gewaltgeschehen selbst wird kaum zum Thema gemacht. In ihrer Studie über Gruppenvergewaltigungen rückt Laura Wolters die Gewaltpraktiken und Interaktionen in den Mittelpunkt. Sie plädiert dafür, Fragen zur kollektiven sexuellen Gewalt stärker empirisch zu wenden und das Gewaltphänomen als soziales Geschehen ernst zu nehmen. Anhand von Gerichtsakten, autobiografischen Zeugnissen sowie Erfahrungs- und Augenzeugenberichten nimmt sie eine spezielle Form des Antuns und Erleidens in den Blick.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2022
Rezensent Gerald Wagner leidet bei der Lektüre von Laura Wolters soziologischer Ergründung des Vollzugs von Gruppenvergewaltigungen. Was dabei vorgeht mit und zwischen Opfer und Täter, analysiert Wolters laut Wagner zwar in sachlichem Ton, die "expliziten" Gewaltbeschreibungen aber setzen dem Rezensenten zu. Was die Autorin aus Erfahrungsberichten und Zeugenaussagen destilliert, etwa zu den Ereignissen Silvester 2015 in Köln, hört sich für Wagner zunächst gleichfalls "empörend" an. Von "Sinndeutungen" bei Opfern wie bei Tätern ist da die Rede, so Wagner. Das voyeuristische Gefühl beim Lesen weicht nur mit Mühe der Einsicht in die "Gewalt der Normalität", erklärt er.
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