Aus dem Amerikanischen von Kathrin Razum. Susan Sontags wichtigste Erzählungen endlich auf Deutsch. Es sind Lebensthemen, die Susan Sontag in ihren Erzählungen bewegen: Mit 14 besucht sie Thomas Mann in seinem kalifornischen Exil - mit hinreißender Ironie beschreibt sie die Verletzlichkeit ihres jugendlichen Ichs. Jahre später erfährt Sontag von der AIDS-Diagnose eines engen Freundes - ihre Ängste und Hoffnungen werden zum Stimmenchor des intellektuellen New York. Und lange nach ihren berühmten Essays über Fotografie beschäftigt sie sich wieder mit dem Verhältnis von Bildern und Realität - in der Geschichte von einem Vogel und einem Nachkommen Noahs. Dieser Band versammelt wichtige Erzählungen der großen amerikanischen Autorin endlich auf Deutsch - sie zeigen sie von ihrer persönlichsten Seite.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2020
Rezensent Lorenz Jäger hält fest: Susan Sontag ist ohne Frage eine bessere Essayistin als Erzählerin. In einer geradezu minutiösen - und zitatreichen - Textanalyse versucht der Kritiker nachzuweisen, woran es bei Sontags Erzähltexten mangelt: Wenn sie im titelgebenden Text etwa die Leiden eines an Aids erkrankten Freundes aus der Perspektive seiner hilflosen Freunde schildert, muss sich Jäger zunächst durch zahlreiche intertextuelle Verweise kämpfen. Auch in den anderen im Band enthaltenen Erzählungen dominieren diskursive und reflexive Passagen, räumt der Rezensent ein und urteilt: Sontag hat sich hier schlicht zu viel vorgenommen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.12.2020
Rezensentin Sigrid Löffler liest den jüngst auf Deutsch erschienenen Erzählband von Susan Sontag vor dem Hintergrund der Corona-Debatte. Denn die erste, titelgebende Geschichte des Bands (als Vorläufer ihres späteren Essays "Aids und seine Metaphern" gehandelt) erzählt vom Einbruch von HIV in die Gesellschaft der 80er Jahre und auch in Sontags Leben, da ein Freund von ihr sich infizierte. Die Geschichte, die sich völlig vom Kranken weg und stattdessen in die Gespräche über ihn verlagere, so Löffler, weist für die Rezensentin offenkundige Parallelen zur aktuellen Lage auf: So wie Aids damals zur Degradierung eines "devianten" sexuellen Verhaltens instrumentalisiert worden sei, so finde auch heute eine "Dämonisierung und Politisierung" des Coronavirus statt, und Löffler wird sich bewusst, was Sontag schon früh beobachtet habe: dass eine neue Seuche "nicht einfach nur eine Seuche" sein könne.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020
Nachdem sie Sigrid Nunez' Erinnerungen an Susan Sontag ebenso wie die Sontag-Biografie von Benjamin Moser gelesen hat, empfindet Rezensentin Marie Schmidt diesen knappen Band mit autobiografischen Erzählungen von der Intellektuellenikone "wie eine vergleichsweise nüchterne Nachrede". Das Buch hat ihr gezeigt, dass die Enttäuschung bei zu viel Verklärung vorprogrammiert ist.
Rezensentin Mara Delius hat sich mit der Susan-Sontag-Biografie von Benjamin Moser beholfen, um die Erzählungen der amerikanischen Intellektuellen-Ikone besser beurteilen zu können: Literarisch nicht brillant, seien sie entscheidend für die Entwicklung von Sontags Werk gewesen, hat die Kritikerin dabei herausgefunden. Mit der literarischen Reflexion ihres enttäuschenden Besuchs bei Thomas Mann etwa habe sich die Autorin ihre eigenen Überzeugungen vergegenwärtigt, glaubt Delius.
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