Mit nur 23 Jahren wird Artemisia Gentileschi in die Kunstakademie in der männlich dominierten Kunstwelt von Florenz aufgenommen. Sie lebte und wirkte im 17. Jahrhundert in Rom, Florenz, Venedig, Neapel und London. Erst machten Kunsthistoriker aus ihr eine frivole Schönheit, dann wurde sie von einigen Kunsthistorikerinnen als Feministin bezeichnet, die ein schweres Schicksal trug. Diese Thesen geistern bis heute durch die Literatur - und werden hier zurechtgerückt. Über die lange in Vergessenheit geratene Barockmalerin Artemisia Gentileschi, die inzwischen mit großen Einzelschauen in den wichtigsten Museen der Welt gewürdigt wird, ist auf Deutsch schon länger nichts mehr erschienen.
Susanna Partsch hat ein Buch geschrieben, das mit Legendenbildung aufräumt, so Rezensentin Carmela Thiele. Und zwar beschäftige sich die auf kritischem Quellenstudium basierende und in knappem Stil gehaltene Künstlerinnenbiografie mit dem Mythos um die Barockmalerin Artemisia Gentileschi, deren Werk oftmals als Ausdruck einer sich emanzipierenden weiblichen Subjektivität und vor allem auch als Aufarbeitung eines Vergewaltigungstraumas behandelt werde. Gentileschi als Opfer darzustellen greift zu kurz, meint Thiele mit Partsch, vielmehr war die Künstlerin gut vernetzt und hochgradig produktiv. Die Vergewaltigung wiederum ist zwar in Prozessakten belegt, aber Thieles Buch legt laut Partsch nahe, dass Gentileschis Vater den vermeintlichen Täter nur anklagte, weil dieser verheiratet war. Zumindest infrage gestellt ist das gängige Narrativ damit, erläutert Thiele entlang der Lektüre, auch bei den angeblichen Verarbeitungen des Traumas mithilfe von Motiven wie dem der keuschen Susanna handelt es sich schlicht um Kunst, die damals gut am Markt funktionierte.
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