Kia Vahland

Leonardo da Vinci und die Frauen

Eine Künstlerbiografie
Cover: Leonardo da Vinci und die Frauen
Insel Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783458177876
Gebunden, 348 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen Abbildungen. Mit seinen Geistesblitzen, Visionen, Maschinenträumen, anatomischen Studien gilt Leonardo da Vinci als Vordenker der Moderne. Das wichtigste aber war dem Universalgenie und Schöpfer der legendären "Mona Lisa" die Malerei, die er zum Leitmedium seiner Epoche machte. Kia Vahland zeigt in einer umfassenden Künstlerbiografie, wie ihm das gelang: Er verbündete sich mit den Frauen. Von der stolzen jungen Maria bis zur weisen Mona Lisa, von der dynamischen "Dame mit dem Hermelin" bis zur gütigen Heiligen Anna sind sie die Hauptfiguren seiner Gemälde. Um das Weibliche kreisen seine wegweisenden Ideen zur Naturgeschichte, zur Schöpfung und zur Kunst. Leonardo da Vinci malt Frauen, wie die Welt sie noch nicht kannte: als selbstbewusste, zugewandte Wesen mit komplexer Persönlichkeit; er feiert ihren Eigensinn, ihren Verstand, ihre Emotionalität und ihre Sinnlichkeit - und erfindet so gemeinsam mit seinen Modellen die moderne Frau als ebenbürtiges Gegenüber des Mannes.
Anhand von Leonardos Bildern, Texten und anderen historischen Quellen schildert Kia Vahland den Lebensweg und das gesamte malerische Œuvre des Jahrtausendkünstlers. Sie erzählt die Geschichten der bedeutenden Persönlichkeiten in seiner Nähe wie Isabella d'Este und Lorenzo de' Medici und berichtet vom Alltagsleben und den politischen Verflechtungen der Renaissance. Die Biografie erklärt, wie der Maler Konventionen brach und so eine neue Sicht auf Natur und Kunst, Frauen und Männer, Wissenschaft, Religion und Politik entwickelte - und damit seinen Ruhm und seine Bedeutung bis heute begründete.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2019

Der hier rezensierende Kunsthistoriker Benjamin Paul hat die von der SZ-Redakteurin vorgelegte Leonardo-Studie mit gemischten Gefühlen gelesen. Dem feministischen Ansatz der Autorin kann der Kritiker weitgehend folgen, wenngleich er anmerkt, dass Vahland bei ihrer Analyse der Ginevra de' Benci allzu frei assoziiert und psychologisiert, dabei aus Ginevra eine "melancholische Denkerin" macht, wo Leonardo lediglich Intimität kompensieren wollte, wie Paul anmerkt. Treffend findet er hingegen die Interpretation der Mona Lisa: Hier kann Vahland dank exakter Bildanalyse darlegen, dass es sich bei dem Porträt nicht um eine konkrete Person, sondern um das "ideale Wunschwesen des älteren Meisters" handele, lobt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 13.04.2019

Laut Rezensentin Swantje Karich vertritt Kia Vahland hier die These, Leonardo da Vincis Frauenporträts hätten eine so große revolutionäre Kraft innerhalb der Bildkunst entfachen können, weil er dank seiner Homosexualität einen einzigartigen empathischen Zugang zu seinen Darstellungsobjekten gehabt habe. So befreie die Journalistin und Kunsthistorikerin den Maler von der Last des Geniekults, setze ihm aber auch "gleich wieder eine schwere Krone auf", meint die Kritikerin. Dennoch zeigt die Autorin Karich mit den Bildbetrachtungen, Thesen und zeitgeschichtlichen Hintergründen, die sie zusammenträgt, dass sie ihren Stoff eindeutig beherrscht. Wie sie es schafft, ihre heiklen Thesen zu stützen, findet die Kritikerin sehr lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.03.2019

Florian Felix Weyh scheint dem Ansatz der Kunsthistorikerin Kia Vahland für eine Leonardo-Biografie mit Interesse zu folgen. Den Umstand, dass Leonardo so viele Frauen gemalt hat, deutet die Autorin laut Weyh als progressive Tat. Vahland kann dem Rezensenten zeigen, dass Leonardo anstelle von Herrschern und Christusfiguren revolutionär neue Bilder schuf, Porträts von Frauen, die den Betrachter offen anschauten. Damit wurde das Renaissance-Genie auch zum "Emanzipationshelfer" der Frau, erkennt der Rezensent. Auch Vahlands Verteidigungsrede gegen den Vorwurf des Hofkünstlers scheint Weyh zu goutieren. Letztlich aber bleibt Leonardo ein Rätsel, auch nach dieser Lektüre, gibt der Rezensent zu.

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