Susanne Fischer

Die Platzanweiserin

Roman
Cover: Die Platzanweiserin
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783821857558
Gebunden, 191 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Ich war gelebt worden von den anderen, außer von Max. Der war noch zu klein. Der einzige Beruf, in dem es Christina Genthe, Anfang dreißig, länger ausgehalten hat, ist der der Platzanweiserin: Im Dunklen Menschen Plätze zuweisen ist das Höchstmaß dessen, was sie an Nähe zulassen mag. Wenn andere fragen, was sie derzeit tue, sagt sie: Ich lese Häuser. Dann schnappt sie sich Max, den kleinen vernachlässigten Sohn ihrer Nachbarin, und zieht mit ihm durch die Stadt. Zusammen besichtigen sie die leer geräumten Wohnzimmer, Kinderzimmer und Schlafzimmer in Häusern, die auf einen neuen Besitzer warten. Die sind für sie lebendiger als die meisten Menschen, sie kann quasi durch die Tapete bis ins Herz schauen. Doch die Welt lässt sie nicht in Ruhe ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2006

Annette Zerpner ist nicht glücklich mit diesem Roman. Die bereits im Klappentext angedeutete Schrägheit der Autorin Susanne Fischer begegnet ihr in diesem Buch vor allem in unkonventionell angeordneten Kapitelüberschriften. Was der Text über eine ehemalige Kinokartenabreißerin und Borderline-Kandidatin an Kulturkritik transportiert, ist Fischer nicht bloß ein bisschen zu viel, es ist vor allem substanzlos. Und das rührt laut Zerpner her von einem kaum je unterdrückten Drang zur Originalität bei weitgehender Abwesenheit derselben. Stattdessen stößt Zerpner überall auf "verspielte" wie "abgenutzte" Bilder, die durchaus gelungene Beobachtungen und Formulierungen wieder vernichten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2006

Wie Susanne Fischer im Laufe des Romans und in stetem Rückgriff auf eine Jugend, in der die Versprechungen zu groß waren, um sie jemals einzuhalten, die Zurückgezogenheit ihrer Protagonistin erklärt, erscheint Rainer Moritz nicht nur einleuchtend, sondern hat ihn auch beeindruckt. Christina Genthe schaut sich gerne leere Häuser an oder übernachtet im Zoo. Mit sicherer Hand zeichne Fischer das Bild ihrer Heldin an der sozialen Peripherie und anderer Menschen, denen sie begegnet. Das Können der Autorin beschränkt sich offenbar nicht auf die Anlage der Figuren, auch die Erzählgeschwindigkeit und die gewiefte Montagetechnik überzeugen den Rezensenten. Insgesamt ein "kleiner, kunstvoller Roman", schließt Moritz, über den Weg zum eigenen Platz im Leben.
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