Susanne Koelbl ist gelungen, was kaum einem Journalisten gestattet wird: Sie durfte durch Saudi-Arabien reisen, ohne Beschränkungen und staatliche Aufsicht. Für mehrere Monate hat sie sich durch ein Land treiben lassen, das gerade den tiefgreifendsten Wandel seiner Geschichte erlebt. Kronprinz Mohammed bin Salman will Wirtschaft und Gesellschaft in die Moderne katapultieren, während das Königshaus trotz aller Reformen mit großer Härte gegen Andersdenkende vorgeht. Wohin wird sich Saudi-Arabien entwickeln? Wie erleben Frauen und Künstler, Oppositionelle und tiefgläubige Männer den Bruch mit alten Traditionen und Gewissheiten?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2019
Rezensent Jan Kuhlmann liest mit Spannung, was die Journalistin Susanne Koelbl während ihres dreimonatigen Aufenthalts in Saudi-Arabien erlebt hat. Koelbls Begegnungen und Gespräche in Riad zeigen Kuhlmann, wie schwierig der von Kronprinz Mohammed bin Salman initiierte Wandel sich im Einzelnen für die Menschen (die Frauen vor allem) gestaltet, die zwischen tiefer Gläubigkeit und dem Wunsch nach mehr Freiheiten hin- und hergerissen sind. Der Thronfolger selbst tritt dem Leser als wenig angenehmer Autokrat entgegen, so Kuhlmann. Dass die Regierung bei ihren Bestrebungen keinen Erfolg haben könnte, sollte man laut Autorin aber auch nicht hoffen. Was wäre auch die Folge, fragt sich der Rezensent.
Jan Kuhlmann ahnt mit Susanne Koelbls Buch, welche Umbrüche in Saudi-Arabien anstehen und was das für den Rest der Welt bedeutet. Koelbls Blick auf Schleierzwang, Menschenrechte, den neuen Kronpinzen und westliche Klischees findet er differenziert, offen, kritisch, charmant und kurzweilig. Ein Länderporträt, das laut Kuhlmann von seinem persönlichen Ansatz profitiert und am stärksten ist, wenn die Autorin königliche Hoheiten oder Ausländer im Land trifft, Hochzeiten besucht und sich in die Wüste begibt.
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