In Zusammenarbeit mit dem Fritz-Bauer-Institut. War der systematische Massenmord an den Juden im Dritten Reich eines von vielen staatlich organisierten Verbrechen im 20. Jahrhundert? Wenn dem so war: Was bedeutet das für die viel diskutierte Vorstellung von der Singularität des Holocaust? Auf die Frage, inwiefern sich der Holocaust in die Liste der Völkermorde einreihen lässt, hat die zeitgeschichtliche Forschung noch keine klare Antwort gefunden. In diesem Band reflektieren die Autorinnen und Autoren über den historischen Ort des Holocaust in der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sie fragen nach Bezügen zu anderen Gewaltverbrechen, beispielsweise den stalinistischen, und sie diskutieren im Lichte der Ansätze und Erträge der noch relativ jungen Disziplin der komparativ ausgerichteten Genozidforschung Stärken und Grenzen des Vergleichs.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.08.2013
Der von Sybille Steinbacher herausgegebene Band "Holocaust und Völkermorde" leidet ein wenig unter dem Tagungssyndrom, findet Susanne Heim: die für sich genommen sehr interessanten Beiträge beziehen sich kaum aufeinander. Die Autoren widmen sich also hauptsächlich ihrer eigenen Begriffsbestimmung, manche indem sie den Völkermord durch das Kriterium der Absicht zur systematischen Vernichtung einer bestimmten nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe von anderen Formen des Massenmords abgrenzen, andere, indem sie die engere Definition aufweichen oder den Begriff gleich verwerfen, um einen Vergleich von Ursachen ähnlicher Gewalttaten möglich zu machen, fasst Heim zusammen. Das Buch liefert einen wichtigen Anreiz, findet die Rezensentin, die sich allerdings freuen würde, wenn zukünftige Beiträge den Gedanken der Prävention stärker einbezögen.
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