"Bevor man fortgeht, / wehren sich die Dinge, manche irren sich / in sich und werden schön." So gelassen kann es klingen, wenn es gelingt, in einem einzigen Satz Aufbruch, Abschied und Unwiederbringlichkeit aufscheinen zu lassen. In "Gordisches Paradies" zeigt sich Sylvia Geist als Meisterin solcher Wendungen und entfaltet doch, wie etwa im titelgebenden Gedichtzyklus, Musikalität. In hoher Intensität erzählen ihre Gedichte vom Suchen, Verlieren und Wiederfinden der Liebe zum Leben noch in den kleinsten Phänomenen und spinnen so einen Ariadnefaden, an dem sich entlangtasten lässt, bis "die Luft / schmeckt, dass man atmen möchte wie man trinkt".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2014
Nach anfänglicher Irritation darüber, was wohl ein gordisches Paradies sein könnte, zeigt sich Martin Zingg fasziniert von Sylvia Geists Gedichten. Die Texte erschließen ihm ein "vertracktes" Terrain, voller Ambivalenzen. Rasch zu konsumieren, warnt Zingg, sei das nicht. Doch das Nachvollziehen der Suche nach Halt und Festigkeit im Vers und das Abwägen von Gedanken werden für den Rezensenten zum eindrücklichen Erlebnis, auch wenn die Suche letztlich vergeblich bleibt, wie er feststellen muss.
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