Sylvie Kande

Die unendliche Suche nach dem anderen Ufer

Cover: Die unendliche Suche nach dem anderen Ufer
Matthes und Seitz, Berlin 2021
ISBN 9783957579119
Gebunden, 96 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Leo Pinke und Tim Trzaskalik. Abenteuerlust, Neugier und Aufbruch - afrikanische Dichtung auf der Höhe der Zeit: das erste Buch der Lyrikerin Sylvie Kandé auf Deutsch. In drei Gesängen erzählt Sylvie Kandé sowohl von der sagenhaften Atlantikexpedition des malischen Kaisers Abubakari II. als auch von der Überfahrt einer afrikanischen Piroge von heute nach Europa. Wenn die afrikanischen Migranten und Flüchtlinge heute auf gut Glück über die Meere fahren, eifern sie dann nicht der Geste Abubakari II. nach, der im 14. Jahrhundert an der Spitze einer ganzen Flotte von der westafrikanischen Küste aus in See stach? Ist dieser Kaiser von Mali, der dem Atlantik die Stirn bot und - wie uns überliefert ist - "sich weigerte zu glauben, dass jenseits des Horizontes nur das Nichts zu finden sei", nicht eine Vorahnung der späteren Überfahrten im Zuge von Sklavenhandel und Migration? Um seine Heldentaten zu schildern und die der Migranten, die heute wie Odysseus den Erwartungshorizont des einen wie des anderen Ufers überschreiten, schrieb Sylvie Kandé dieses Epos, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, Alltags- und Hofsprache, Männergedanken und Frauenrevolten gegenseitig erhellen und spiegeln. Ein narratives Langgedicht, das sich aus verschiedensten epischen Traditionen speist, um den Klan, die Grenzen und Schranken, "die Stacheldrähte der Sitten und der Bräuche" zu überwinden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2021

Rezensent Niklas Bender empfiehlt das Versepos der bretonisch-senegalesischen Autorin Sylvie Kandé als Heldenerzählung mit "alternativem Geschichtsverlauf". Wie die Autorin hier kollektive Narrative und poetisches Erzählen gegeneinander abwiegt und Möglichkeiten historischen Erzählens ausprobiert, findet Bender beeindruckend und von einiger Frische. Die Gesänge des Epos, die zwischen der Schilderung einer historisch belegten Überfahrt nach Amerika und einer Migrationsgeschichte zwischen Afrika und Europa wechseln, bestechen laut Bender durch "intime lyrische" bzw. realistische Sprache (im 3. Gesang) und eine andere als die eurozentristische Sichtweise. Vor allem bewundert der Kritiker die "epischen Muskeln", mit denen Kandé "alternative Gedichtschreibung" betreibt.
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