Aus dem Englischen von Dirk Höfer. Edward Saids "Orientalismus"-Buch, das bereits vor über 40 Jahren den europäischen Blick auf den Orient als "Stil der Herrschaft und Umstrukturierung" zu entlarven suchte, gilt als eines der Gründungsdokumente der postkolonialen Theorie. Der in New York Islamwissenschaften und politische Theorie lehrende Wael B. Hallaq unterwirft Saids Thesen einer grundlegenden Kritik und Neubewertung. Dabei nimmt er zentrale Gedankenfiguren westlichen Denkens wie Souveränität, Subjekt oder Selbst in den Blick und analysiert, welche Rolle sie für das Aufkommen des Kolonialismus spielten. Hallaq diagnostiziert Weise den europäischen Herrschaftsdiskurs und dessen problematische Verbindung von Wissen und Macht als Ergebnis einer "psychoepistemischen Störung", die für die Auswüchse des Kolonialismus, aber auch für die von Europa ausgehenden Genozide und die systematische Naturzerstörung verantwortlich ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.06.2022
Rezensentin Jasamin Ulfat-Seddiqzai entdeckt "interessante Fragen" in Wael B. Hallaqs neuem Werk, in dem er sich auf die Theorie des Orientalismus nach Edward Said beruft, sie kritisiert und weiter ausbaut. Dabei folgt der Autor dem Hauptargument, dass der moderne Westen nur durch den Kolonialismus entstehen konnte, der durch eine "Theologie des Fortschritts", die das Christentum ablöst, verheerende Ausmaße annahm, resümiert die Rezensentin. Und diese Theologie hat mehr Blut gekostet, als das indische oder chinesische Imperium. Reformiertbar ist es für Hallaq nicht. Mit viel Sorgfalt und Kenntnis entwickele der Autor seine Thesen, lobt Ulfat-Seddiqzai, allerdings blieben diese trotz ellenlanger Sätze eher vage, genauso wie die Antworten, bedauert sie und wünscht sich, der Autor hätte sich seine eigene Kritik zu Herzen genommen und seinen Text stärker "reduziert und gerafft".
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