Sylvie Schenk

Maman

Roman
Cover: Maman
Carl Hanser Verlag, München 2023
ISBN 9783446276239
Gebunden, 176 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Auf den Spuren der eigenen Familiengeschichte - der neue Roman von Sylvie Schenk. Eine Annäherung an die eigene Mutter und eine schmerzhafte Abrechnung: 1916 wird Sylvie Schenks Mutter geboren, die Großmutter stirbt bei der Geburt. Angeblich war diese eine Seidenarbeiterin, wie schon die Urgroßmutter. Aber stimmt das? Und welche Geschichte wird den Nachkommenden mit auf den Weg gegeben? Als Kind leidet Sylvie Schenk unter dieser Unklarheit, als Schriftstellerin ist sie deshalb noch immer von großer Unruhe geprägt. Mit poetischer Präzision spürt sie den Fragen nach, die die eigene Familiengeschichte offenlässt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.10.2023

Rezensentin Judith von Sternburg ist beeindruckt von Sylvie Schenks Roman, in dem es unter anderem darum geht, wie Männer reagieren, wenn sie erfahren, dass ihre Freundinnen schwanger sind. Das Buch setzt bei der Großmutter der Erzählerin an, erfahren wir, die im 19. Jahrhundert in ärmlichen Verhältnissen lebt und eine Tochter in eine Pflegefamilie gibt. Diese Tochter, Renée, ist die Mutter Schenks, über deren Leben die Autorin hier schreibt, ohne, wie Sternburg ausführt, dabei ihre eigene Unsicherheit über die Wahrheit des Dargestellten zu verbergen. In ihrer Kindheit findet diese Renée bei anderen Kindern kaum Anschluss und auch später selten ein Verhältnis zu dem Leid, mit dem sie konfrontiert ist. Sternburg fühlt sich bisweilen an Annie Ernaux erinnert, doch kommt ihr diese tastende Auslotung der Erinnerung poetischer vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2023

Rezensentin Daniela Strigl ist fasziniert von diesem "literarischen Porträt", dass die französische Autorin Sylvie Schenk über ihre Mutter geschrieben hat. Schonungslos und klar beschreibt die Autorin das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter Renée und zeichnet deren Lebensweg nach: Als Waise und Kind einer Prostituierten bekommt sie von Geburt an das Gefühl einer "untilgbaren fundamentalen Minderwertigkeit" vermittelt. Um gesellschaftlich aufzusteigen, geht sie eine lieblose Ehe mit einem Zahnarzt ein. Schenk erkennt die Gründe für die emotionale Kälte ihrer Mutter in deren eigener Versehrtheit, so die Kritikerin. Als Erzählerin bleibt sie nah bei den Figuren, schreibt Strigl, behält aber trotzdem eine Distanz zum Text, durch die sie ihre eigenes Schreibverfahren reflektieren kann. Der Autorin gelingt es, nicht nur eine persönliche Geschichte zu erzählen, sondern auch Kritik an der "bourgeoisen Verlogenheit" der französischen Gesellschaft zu üben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.04.2023

Rezensent Christoph Schröder wünscht der französischen, seit knapp sechzig Jahren in Deutschland lebenden Schriftstellerin Sylvie Schenk endlich die Wertschätzung, die sie verdient. Der Kritiker schätzt das vorsichtige Herantasten an die Themen Herkunft und Milieu, die Schenks Romane ausmachen - und das sie von Annie Ernaux unterscheidet. Im neuen Roman erzählt ihm Schenk aus dem Leben ihrer Mutter zwischen den 1940er und 1960er Jahren, basierend auf Recherchen und persönlichen Erinnerungen. Da die Autorin Leerstellen mit Erfindungen und Gedanken füllt, besteht sie auf der Gattungsbezeichnung "Roman", klärt Schröder auf. Dem Leben jener "Maman", die zunächst ihm Heim, später bei Pflegeleltern aufwuchs und die Sexualität so anwiderte wie ihr Ehemann, dem sie aber dennoch sechs Kinder gebar, folgt der Kritiker in jedem Fall gebannt.

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