Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz. 1980 im wohlhabenden Long Island: Carl Fletcher wird vor seinem Haus gekidnappt. Kurz darauf, nach Zahlung eines üppigen Lösegelds, wird er freigelassen, und die Familie versucht, den Vorfall hinter sich zu lassen. Doch als sie vierzig Jahre später bei einer Feier wieder zusammentrifft, wird klar, dass die lange zurückliegende Entführung unerwartete Spuren hinterlassen hat - und zwar nicht nur bei Carl, sondern bei der ganzen Familie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.05.2025
"Die erste Generation baut das Haus", wiederholt eine Figur in Taffy Brodesser-Akners Roman einen alten Spruch, die zweite bewohnt es, und die Enkelgeneration, die brennt es nieder. Diese Enkel-Generation, erklärt Rezensentin Christiane Lutz, steht im Zentrum von Brodesser-Akners herrlich reichhaltigem, wunderbar satirischem jüdischem Familienepos über den Untergang eines Familienunternehmens und dessen Folgen. Repräsentiert wird diese dritte Generation von den drei erwachsenen Fletcher-Kindern: einem Actionfilm-Autor, der sich gern auspeitschen lässt, einem sensiblen und risikoscheuen Anwalt für Bodenrecht und einer naiven Pseudo-Sozialistin. Jede dieser exzentrischen Figuren ist auf individuelle Weise "verkorkst", wie Lutz es ausdrückt, und doch gründet sich ihre Verkorkstheit auf dem selben Trauma, dem Trauma des Holocaust, auf das weitere Traumata folgen, resümiert Lutz. Was mit derart mehrfach traumatisierten Familien geschieht, wenn die finanzielle Sicherheit plötzlich wegbricht, davon erzählt Brodesser-Anker mit viel Witz und "Fabulierlust", immer in kritischem Abstand zu ihren Figuren und dennoch einfühlsam und liebevoll. Selten hat Rezensentin Christiane Lutz dem Brennen mit so viel Gewinn, so viel Freude zugeschaut.
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