Herausgegeben von Rainer Schmitz. 1704 veröffentlichte der Franzose Antoine Galland seine Sammlung arabischer Erzählungen unter dem Titel Erzählungen aus Tausend und Einer Nacht. Die bis 1716 herausgegebenen zwölf Bändchen wurden zum ersten europäischen Bestseller mit enormer Resonanz. 1710 edierte Francois Pétis de La Croix, ebenfalls ein Franzose, im gleichen Verlag und in offensichtlicher Anlehnung an den überwältigenden Erfolg von" Tausend und Eine Nacht" eine Sammlung persischer Erzählungen unter dem Titel "Tausend und Ein Tag". Diese Sammlung von weiter aus dem Osten stammenden Überlieferungen ist anders: Die Geschichten sind nicht von einer islamisch-orthodoxen Patina überzogen, die die indischen und persischen Wurzeln verdeckt, hier spricht nicht wie bei der Übersetzung von Galland ein höfisch-europäisierter Orientalismus, sondern der Orient selbst. Auch "Tausend und Ein Tag" wurde damals international berühmt, aber heute ist die Sammlung weitgehend unbekannt und keine Übertragung ins Deutsche für den Leser verfügbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014
Was zur Zeit seiner Erstedition im Biedermeier wegen seines vom Rezensenten entdeckten impliziten Plädoyers für Redefreiheit und gegen Zensur "Sprengstoff" war, ist für den Rezensenten Tilman Spreckelsen heute von unwiderstehlichem Reiz. Neben dem bekannteren Geschwister der Märchen aus 1001 Nacht, meint er, muss sich die jetzt in einer an Anmerkungen reichen "Prachtausgabe" erscheindende Märchensammlung nicht verstecken. Auf insgesamt 1200 von der Handlung um eine Prinzessin, die die Ehe scheut und mit Erzählungen über Männertreue und Edelmut überzeugt werden soll, gerahmten Seiten entdeckt Spreckelsen Perlen, wie den Turandot-Stoff oder den zu Andersens "Der fliegende Koffer". Sprachlich scheinen ihm die vom Herausgeber Rainer Schmitz vorgenommenen Retuschen angebracht.
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