Mit dem Faksimile des Leichtlebig-Typoskripts. Herausgegeben von Raimund Fellinger und Martin Huber. Im Mai 1963 erschien in einer Auflage von 2000 Exemplaren Thomas Bernhards Roman "Frost" im Insel Verlag. Gleich nach Erscheinen erregte er größte Aufmerksamkeit: Noch nie hatten die Rezensenten und Leser derartig aufwühlende, jede sinnvolle Interpretation übersteigende Sätze gelesen. Der Maler Strauch beschimpfte Gott und die Welt, erkannte um sich herum nur Kranke, Kretins und Todgeweihte. Um das Irritationspotenzial dieses Romans einzugrenzen, verlegten die Interpreten sich darauf, die sinnlosen, widersinnigen Wortkaskaden des Malers als prototypisch für einen pathologischen Charakter anzusehen, der seinerseits den Zerfall unserer Gegenwart vorlebt. Aus den vielen Vorstufen zu "Frost" präsentiert dieser Band aus Anlass des fünfzigjährigen Erscheinens eine frühe Fassung, in der ein Eisenbahner mit dem Namen "Leichtlebig" bei einer Kur mit einem Doktor ausgedehnte Spaziergänge unternimmt. Die zweite der für diesen Band ausgewählten Vorstufen datiert aus der Zeit unmittelbar vor der Fertigstellung des Romans: "Die Argumente eines Winterspaziergängers" gab Thomas Bernhard seinem Freund Gerhard Fritsch, damit dieser sie in der von ihm herausgegeben Zeitschrift Wort in der Zeit publizierte: Bernhard hat für diese Vorabveröffentlichung signifikante Passagen aus dem Roman zu einem 19-seitigen Manuskript zusammengefügt. Das "Leichtlebig"-Manuskript und "Argumente eines Winterspaziergängers" werden hier zum ersten Mal veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.11.2013
Hansjörg Graf würdigt Thomas Bernhards vor fünfzig Jahren erschienenen Debüt-Roman "Frost" als "Kälteschock" für die deutschsprachige Literatur. Er schildert die Irritationen, die dieses finstere, kompromisslose Werk in Österreich auslöste. Interessant scheinen ihm insofern auch zwei von Raimund Fellinger und Martin Huber herausgegebene Fragmente Bernhards, die er als Vorstufen zu "Frost" betrachtet: "Argumente eines Winterspaziergängers" und "Leichtlebig". Beide Texte weisen für ihn zahlreiche Parallelen im Blick auf Themen, Motive und Personal zu "Frost" auf und dokumentieren, wie penibel Bernhard sein Handwerk betrieben habe.
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