Thomas Etzemüller zeigt die 68er-Ereignisse im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der modernen, westlichen Konsumgesellschaften der Nachkriegszeit. 1968 erscheint so nicht als politische Reaktion auf den Muff der deutschen Fünfziger, sondern als der Versuch, mit dem fundamentalen Strukturwandel der westlichen Nachkriegsgesellschaften fertig zu werden. Aus dem Bedürfnis heraus, diese Umwälzungen zu deuten, entstand seit den fünfziger Jahren eine dezidiert politische Sprache, die die Umbrüche benennbar, verstehbar und verhandelbar machte. Die Revolution der 68er fand nicht statt, aber die Sprache der Gesellschaftskritik blieb und etablierte sich gesellschaftlich in den Bürgerinitiativen und in der Alternativkultur der siebziger Jahre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.08.2005
Rudolf Walther liest dieses Buch über den Umbruch von 1968 als Gegenentwurf zu jenen Historikern, die bei den Achtundsechzigern als deutsches Phänomen deuten wollen. Thomas Etzemüller vergleicht dagegen Protestbewegungen in Deutschland und Schweden und stellt dabei fest, dass hier wie dort 1968 nicht einen totalen plötzlichen Buch bedeutet habe, sondern Ergebnis eine Antwort auf einen langfristigen strukturellen Wandel war. Damit sieht Walther Deutungsmuster, die auf "nationale oder andere Besonderheiten" abheben, als anachronistisch und provinziell entlarvt.
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