Die Untersuchung behandelt die antiautoritäre Revolte von ihren Anfängen in der "Subversiven Aktion" über den "Sozialistischen Deutschen Studentenbund" und die Kommune 1 bis zur Neuen Frauenbewegung. Dabei wird die Protestbewegung in die gesellschaftlichen Auf- und Umbrüche der 1960er Jahre eingebettet und auf den Aufstieg der postindustriellen Dienstleistungs und Wissensgesellschaft zurückgeführt. Die Kulturrevolution erscheint als extreme Zuspitzung von Verhaltensformen der entstehenden Massenkonsum- und Erlebnisgesellschaft. Der Autor diskutiert zudem die Frage, ob sie einen romantischen Rückfall, eine vorwärts weisende Modernisierung oder einen postmodernen Bruch darstellte. Deutlich wird, dass der Lebenshunger und das Streben nach subjektiver Selbstermächtigung zugleich Ausdruck einer umfassenden Weltflucht und Weltentwertung waren. Die Studie spürt somit Formen einer diesseitigen Erlösungshoffnung nach, die sich in einer Apologie der Gewalt und in dem Bemühen um eine permanente Säuberung des neuen, emanzipatorisch verstandenen Kollektivs äußerte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2006
Durchaus anregend scheint Sven Reichardt diese geschichtswissenschaftlichen Dissertation über die "antiautoritäre Revolte der Achtundsechziger", die Simon Kiessling vorgelegt hat. Allerdings findet er die Argumentation des Autors eher philosophisch als historisch: Die großangelegte Deutung der Studentenrevolte als eine "genuin moderne und zugleich verabsolutierte Flucht aus der Welt", die er an zentralen Problembereichen wie der Politisierung des Privaten, Bildung und Wissenschaft oder der Politik veranschaulichen will, verrät für ihn eher die Nähe zu einem "philosophierenden Essay" als zu einer "soliden historischen Darstellung". So hält er dem Autor vor, zu ignorieren, was nicht in die Argumentationslinie passt, sowie Positionen ohne Berücksichtigung ihres historischen Kontextes heranzuziehen.
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