In der Zeitspanne zwischen Luthers Tod bzw. dem Schmalkaldischen Krieg (1546/47) und dem Dreißigjährigen Krieg war die lutherische Konfession besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Thomas Kaufmann untersucht die Formierung des lutherischen Protestantismus im Horizont dieser Konfliktszenarien als einen Prozeß konfessionskultureller Identitätsbildung. Den durch das Interpretationskonzept der lutherischen Konfessionskultur verbundenen thematischen Einzelanalysen liegt die Basishypothese zugrunde, dass der lutherische Protestantismus seine "Identität" in Krisen, Kontroversen und Konflikten bildete. Der Autor berücksichtigt v.a. weithin vernachlässigtes Quellenmaterial "populären" Charakters (Flugschriften, Predigten, Gutachten etc.) und zeigt, dass diesen Textformen eine Schlüsselbedeutung für die Rekonstruktion der frühneuzeitlichen Konfessionskulturen zukommt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2007
Für Harm Klueting gehört der evangelische Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann ohne Frage zu den bedeutendsten Vertretern seiner Zunft, dem es darum zu tun ist, die "Innenperspektive" der drei frühneuzeitlichen christlichen Konfessionen zu untersuchen. Dieses Anliegen setzt er zumindest teilweise in seinem jüngsten Buch um, das neben sechs publizierten Aufsätzen auch vier bisher unbekannte Texte enthält, konstatiert der Rezensent. Etwas irritiert ist Klueting von der unklaren zeitlichen und theoretischen Verortung beziehungsweise Unterscheidung zwischen "Reformation" und "konfessionellem Zeitalter", und über Kaufmanns Behauptung beispielsweise, die katholische Kirche hätte keine Luther vergleichbare Identitätsfigur aufzuweisen, würde er sich gern mal mit dem Autor auseinandersetzen. Alles in allem aber scheint der Rezensent diesen Sammelband mit Interesse und Zustimmung gelesen zu haben, auch wenn er sich nicht zu einem direkten Lob hinreißen lässt.
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