Die Beiträger des Bandes befassen sich mit den Stationen des protestantischen Kirchenmannes Otto Dibelius (1880-1967) im Kontext der katastrophenreichen Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Der junge Pastor gestaltete die eingeleitete Trennung von Staat und Kirche nach der Novemberrevolution 1918 mit. In der Weimarer Zeit wirkte der kurmärkische Generalsuperintendent zugleich als meinungsstarker öffentlicher Publizist. In seiner Programmschrift "Jahrhundert der Kirche" (1926/27) begründete er die Unabhängigkeit der Ev. Kirche gegenüber dem Staat, die in den Jahren zwischen 1933 und 1945 in großen Teilen aufgehoben war. Nach 1945 prägte er als Bischof von Berlin und Ratsvorsitzender der EKD den Protestantismus der Nachkriegsjahre maßgeblich mit. Die Beiträge von Historikern und Theologen bilden in ihrer Gesamtheit ein Kompendium zu Leben und Wirken von Dibelius. Sie sparen die dunklen Seiten wie seinen Antisemitismus nicht aus und gelangen an vielen Stellen zu einer Neubewertung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2025
Rezensent Martin Otto liest den von Lukas Bormann und Manfred Gailus herausgegebenen Tagungsband über den evangelischen Theologen Otto Dibelius mit Interesse. Die versammelten Vorträge aus 2022 liefern laut Otto "Bausteine" für eine künftige Biografie. Doch wird der Theologe nicht nur als Jahrhundertfigur des Protestantismus abgefeiert, wie Otto feststellt, sondern auch kritisch gesehen, etwa wenn gewisse Abgrenzungen gegenüber "Gottlosen" verhandelt werden. Insgesamt aber überwiegt Inschutznahme, findet Otto. So vor anachronistischen Bewertungen, oder indem Parallelen zu Bonhoeffer hergestellt werden - für Otto etwas konstruiert.
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