Das Ereignis wird wieder erforscht. Als geistes- und geschichtswissenschaftliche Kategorie war es jahrzehntelang in den Fundus eines obsoleten Theorieinstrumentariums verbannt worden. Daraus ist es inzwischen mit großem Engagement wieder hervor geholt worden. Davon zeugen die Beiträge dieses Buches. In ihm wird das Ereignis aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen analysiert. Über das Ereignis räsonniert haben Vertreterinnen und Vertreter von Musik- und Kunstwissenschaft, von Historie und Soziologie sowie von Theater- und Literaturwissenschaft. Nicht mehr für das Ereignis in seiner Variante als große Staatsaktion allein interessieren sich die Autoren, sondern für Ereignis als nicht selten kontingentes Konstrukt kommunikativen,diskursiven oder rituellen Handelns. Gefragt wird danach, wie - historische, musikalische oder literarische - Ereignisse zustande kommen, woraus sie gemacht sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2003
Nicht gerade überzeugt scheint der mit dem Kürzel "akis" zeichnende Rezensent von dieser Auseinandersetzung mit dem Begriff Ereignis von Thomas Rathmann. Sie soll dem von Arno Borsts geprägten und bis in die 90er Jahre zelebrierten Satz "Literarische Ereignisse gibt es, historische nicht!" entgegenwirken. Doch die Spurensuche des Autors nach Geschehnissen mit "strukturverändernden Folgen" in Literatur und Geschichte empfindet der Rezensent in seiner recht knappen Besprechung als zu "interdisziplinär" und mit zu wenig Historie versehen, als dass sie wirklich "den schlechten Ruf des Ereignisses" als "bloß literarisches Phänomen" aufheben könnte.
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