Aus dem Isländischen von Kristof Magnusson. 1912 Nordisland: Thorbergur ist eigentlich Dichter. Aber von Gedichten kann man nicht leben. Also schuftet er in einer stinkenden Heringsfabrik. Ist der Gestank von Tran alles, was das Leben zu bieten hat? Die wahre Erfüllung findet Thorbergur in seinen philosophischen Grübeleien über die Unendlichkeit des Universums, die Liebe und das Leben in absoluter Freiheit. Erfüllung sucht er auch bei der himmlischen Hulda. Einen ganzen Sommer reist er ihr hinterher, um sie dann im entscheidenden Moment zu verpassen. Dabei will der ewig scheiternde Thorbergur nur eins: dem Leben ein wenig Glanz verleihen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2012
Ganz blendend unterhalten fühlt sich Rezensent Jörg Plath bei der Lektüre dieses bereits 1938 erschienenen, nun in hervorragender Neuübersetzung vorliegenden Klassikers der isländischen Literatur, in dem Thorbergur Thordarson mit "Ironie und Sarkasmus" auf die eigene, heißblütige Adoleszenz zwischen improvisierter Literatur-Boheme, entbehrungsreicher Lohnarbeit, stetem Hunger und der großen Liebe blickt und dabei erzählt, wie das "auf das Engste zusammengehört". Nicht zuletzt wegen des Gegensatzes zwischen existenzieller Not, die die Menschen zusammenhalten lasse, und schöngeistiger Anflüge gerate das Buch zu einer witzigen Angelegenheit und ist somit unbedingt vom thematisch nahen "Hunger" von Kurt Hamsun abzuheben. Eher fühlt sich der Rezesent an die isländischen Sagas erinnert, etwa wenn um es den langen Atem bei der Schilderung mancher Biografie oder um die präzisen Angaben von Gehöftlagen samt deren Bewohner geht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.10.2011
Rezensent Mathias Schnitzler stellt uns den Klassiker Thorbergur Thordarson als den Autor vor, der Island nicht nur in die Moderne geführt hat, sondern auch auf den Weg des schrägen Außenseitertums. Maßstäbe gesetzt hat er mit seinem Roman "Islands Adel" von 1938, der nun zum ersten Mal vernünftig ins Deutsche übersetzt wurde, wie sich der Rezensent freut. Es geht um einen unglücklich Liebenden, der die Insel durchstreift wie einst Don Quixote die Mancha und dabei auf allerlei famose Nordmänner stößt, die nur tagsüber in der Fischfabrik oder auf dem Kutter arbeiten, am Abend aber ihre wahres Leben als Künstler, Dichter und schrille Vögel leben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011
Für Rezensent Martin Halter ist Thorbergur Thordarson einer der "Meilensteine" in der Geschichte der isländischen Literatur, das weiß er spätestens seit der Lektüre des 1936 erschienenen autobiografischen Romans "Islands Adel". Dem autodidaktischen Schriftsteller und Philosophen, der zwar damals noch in einer Fischfabrik arbeitete, sich aber als selbsternannter "Aristokrat des Geistes" bereits zu Höherem berufen fühlte, ist der Kritiker ins Reykjavik des Jahres 1912 gefolgt und hat in Thordarsons "nostalgisch verklärten" Rückblenden erfahren, dass das Leben als Bohemian in Island scheinbar wesentlich härter war als in den europäischen Metropolen der Dekadenz. Durchaus amüsiert hat er seine poetischen, mit vielen biografischen Details angereicherten Schwärmereien über "Tran, Trübsal, Trockenfisch" und durch viel Nietzsche-Lektüre und noch mehr Alkohol herbeigeführte Ekstasen gelesen. Insbesondere haben den Rezensenten jedoch die Porträts interessiert, die Thordarson von seinen ähnlich kauzigen und nutzlosen Freunde zeichne.
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