America Fantastica
Roman

Harper Collins, Hamburg 2024
ISBN
9783365007426
Gebunden, 528 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Gregor Hens. Einst Star-Journalist, lässt den in Ungnade gefallenen Boyd Halverson seine Vergangenheit einfach nicht los, während ihn die Gegenwart zermürbt. Also beschließt er eines Tages, die lokale Bank auszurauben, eine Geisel zu nehmen und abzuhauen, um eine Rechnung zu begleichen - mit dem Mann, dem er die Schuld an seinem verpfuschten Leben gibt. Doch das gestohlene Geld übersteigt nicht mal Boyds eigene Rücklagen, und Angie Bing, die Bankangestellte, mit der er immer ganz gerne geflirtet hat, stellt sich als ganz schön aufmüpfige Geisel heraus. Für die beiden beginnt ein Roadtrip in die Untiefen einer von Scham und Betrug zerfressenen Nation - mit einigen gefährlichen Verfolgern auf den Fersen. Nur die Polizei scheint sich nicht für Boyd und Angie zu interessieren …
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2025
Tim O'Brien kennt Rezensentin Maria Wiesner vor allem für seine Bücher über den Vietnamkrieg. In seinem neuen Roman stellt er den Ex-Journalisten und jetzt Bankräuber Boyd Halverson in den Mittelpunkt. Er nimmt bei einem Raub eine Geisel, mit der er anschließend auf einen Roadtrip zwischen Mexiko und Minnesota aufbricht, im Laufe der Geschichte stellt sich allerdings heraus, dass er Mythomane ist und große Teile seiner dramatischen Lebens- und Abstiegsgeschichte erfunden sind, erfahren wir. Wiesner verfolgt mit Spannung, wie das ganze Land unter Trump zu einer Brutstätte von Lügen und Fake News wird und die Romanhandlung gleichzeitig auf einen apokalyptischen Höhepunkt zusteuert. O'Brien schafft Wiesner zufolge in lakonischem Tonfall und "starken Bildern" ein erschreckendes Gemälde eines Landes in der Lügenkrise.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.12.2024
Welchen Zweck hat die satirische Abarbeitung an einer Wirklichkeit, die selbst schon krasse, heißt schwer - wenn überhaupt - an Absurdität, Geschmacklosigkeit und Gewalt zu überbietende Satire ist, fragt sich Rezensent Thomas Wörtche bei der Lektüre von Tom O'Briens "America Fantastica". Ein ehemaliger Star-Journalist, Ex-Fake-News-Creator, nun Bankräuber ohne Ziel und Motiv schießt auf seiner wilden Trajektorie durchs Tollhaus, welches die USA unter Trump im Corona-Jahr 2020 war (und ist), verfolgt und begleitet von einem Ensemble an Karikaturen aus dem "großen, amerikanischen Klischeetopf", wie Wörtche es ausdrückt - soweit die Handlung. Dieses Tollhaus literarisch noch toller zu gestalten, als es de facto eh schon ist, versucht der Autor nach Kräften, lesen wir, doch allzu oft wird er von der irren Realität überboten. So liest sich seine America-Satire teils witzig, teils albern, teils wie eine Sammlung von "Herrenwitzen", aber auf jeden Fall kommt sie leider leider "viel zu spät", resümiert der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
Einen Road Trip durch das Amerika der Trump-Ära entwirft Tim O'Brien in seinem neuen Buch, und Rezensent Tobias Rüther gefällt die Reise insgesamt durchaus. Die Hauptfigur Boyd Halverson überfällt, erfahren wir, eine Bank, und will anschließend Rache nehmen an seinem Ex-Schwiegervater, der krumme Geschäfte macht. O'Brien zeichnet laut Rüther das Bild eines Landes, das von Ungleichheit dominiert ist und sich vermittels Fake News in eine mythomanische Parallelwirklichkeit flüchtet. Ein wenig fühlt sich der Rezensent an Don DeLillo erinnert in diesem dynamischen Roman voller Spinner und trister Hotels. Und wie bei vielen Road Trips, liegt die Antwort auch diesmal, beschreibt Rüther, nicht in der Ferne, sondern ganz nah.