City in Ruins
Thriller

Harper Collins, Hamburg 2024
ISBN
9783365005668
Gebunden, 448 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Conny Lösch. Danny Ryan ist reich. Reicher, als er es sich je erträumt hätte. Früher war er ein Hafenarbeiter, Mafia-Gang-Mitglied und Gesetzesflüchtling, nun ist Danny ein erfolgreicher Geschäftsmann in Las Vegas. Doch er will mehr. Als er versucht, ein altes Hotel auf einem erstklassigen Grundstück zu kaufen, löst er einen Krieg zwischen den mächtigsten Männern in Vegas aus. Danny glaubt, seine Vergangenheit begraben zu haben, doch nun droht sie ihn einzuholen. Alte Feinde kehren zurück - mit dem Ziel, ihm alles zu nehmen, was ihm wichtig ist: nicht nur sein Imperium, nicht nur sein Leben, sondern auch seinen Sohn. Um zu retten, was Danny am meisten liebt, muss er wieder der skrupellose Mann werden, der er einst war - und der er nie wieder sein wollte ..
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.05.2024
Eine Fülle von Bezügen und Figurentypen aus der antiken Literaturgeschichte entdeckt Rezensent Fritz Göttler in Don Winslows jüngstem Roman, der dem Rezensenten gut gefallen zu haben scheint. Söhne, die von den Mördern ihrer Väter auch gleich die eigene Mutter erschießen lassen, weil man sie der Verwicklung verdächtigt oder ein Brüderpaar, das sich im Tod wiedervereint - das alles erinnert den Rezensenten an Motive aus antiken Historien. In diesem letzten Band geht es vor allem um die - Göttler an das antike Urbild des Trojanischen Krieges erinnernde - Zeitenwende in der Mafiakultur: Das Netzwerk an lokal agierenden Mafiabanden wird durch die Megastrukturen des Investmentbankings und des politischen Lobbyismus aufgelöst. Auch die Karriere des Protagonisten Danny scheint sich damit dem Ende zu nähern. Er muss die Straße und die Schießereien aufgeben, resümiert der Kritiker, und beginnt, im großbürgerlichen Milieu um Parteispenden in Millionenhöhe zu verhandeln. Seltsam "gemächlich und ironisch" findet der Rezesent hier den Stil Winslows, mit einer klassischen Mafia-Geschichte hat das eher weniger zu tun - vielmehr sieht Göttler hier einen "stillen, kleinen Passionsthriller", wie er schließt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 29.05.2024
Rezensent Volker Weidermann trifft sich mit Don Winslow und zeigt sich überrascht über dessen Entscheidung, den Schreibstift endgültig niederzulegen. Dieser Entschluss komme bei ihm keineswegs aus heiterem Himmel, erzählt der, denn in Zeiten des neofaschistischen Aufschwungs, so die zeitgeschichtliche Diagnose des amerikanischen Autors, sei es ein Gebot der Stunde, das Schreiben ruhen zu lassen und die ganze Geisteskraft in den politischen Kampf zu investieren. Politisch sei Winslow erst durch die Recherchen für seine Bücher geworden, erzählt er dem Redakteur. Er habe viel über Drogenhandel, Unterdrückung und Polizeistaat gelesen und daraus die Forderung entwickelt, Drogen zu entkriminalisieren. Denn ein Großteil der Korruption in der Welt werde durch Gelder aus dem Drogenhandel finanziert, so Winslow. Um mafiöse Machenschaften, Geld aus halblegalen Quellen und Morde geht es auch in seinem jüngsten Buch. Darin schildert Winslow den rasanten Aufstieg und den ebenso schnellen und steilen Abstieg eines Mafioso. Widermann trifft hier definitv auf Winslows literarischem Stil, eine Mischung aus gut geschriebenem Genreroman und gründlicher Recherche.