Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn. Am 29. Dezember 2019 wurde der Historiker Timothy Snyder ernsthaft krank. Er konnte nicht mehr stehen, kaum noch klar denken und wartete stundenlang in der Notaufnahme, bevor er untersucht und eilig in den Operationssaal gebracht wurde. Während sein Leben an einem seidenen Faden hing und das neue Jahr begann, wurde ihm bewusst, wie profitorientiert das Gesundheitswesen in den USA ist und wie wenig alle Rechte und Freiheiten wert sind, wenn das Menschenrecht auf eine gute medizinische Versorgung nicht dazu gehört. Dann kam die Pandemie. Die Regierung von Donald Trump machte alles noch viel schlimmer durch absichtliche Ignoranz, Desinformation und Machtspiele. Das Gesundheitssystem stand vor seinem ultimativen Test, und es versagte. Tausende von Amerikanern starben. In diesem augenöffnenden Cri de Coeur rekonstruiert Snyder die sozialen Entwicklungen, die zu der aktuellen Lage geführt haben, und er beschreibt die Lehren, die daraus gezogen werden müssen. Er beleuchtet dunkle Momente der Geschichte und solche in seinem eigenen Leben, und er zeigt, welche vier Prinzipien beherzigt werden müssen, um von der "amerikanischen Krankheit" geheilt zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.11.2020
Rezensentin Caroline Jebens räumt ein, dass Timothy Snyders Diagnose eines kranken Staates stimmt. Nur hätte der Autor dafür nicht selber ins Krankenhaus gemusst, um hinterher ein Buch darüber zu schreiben, findet sie. Dass Snyder eine Blutinfektion zum Anlass nimmt, über die USA und ihren "kollektiven Schmerz" nachzudenken, geht ja an, findet Jebens. Nur bleibt ihr der privilegierte Autor dabei viel zu selbstbezogen, andere Stimmen kommen im Buch nicht vor, meint Jebens. So langweilig und bedeutungsschwer sieht die Welt also vom Krankenbett aus, stellt die Rezensentin betrübt fest.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.09.2020
Rezensentin Viola Schenz kann Timothy Snyders Wut verstehen. Wenn der amerikanische Historiker von seinen persönlichen Schreckenserfahrungen im amerikanischen Gesundheitssystem berichtet und dessen eklatanten Missstände anprangert, ist sie schockiert: Ganze Landstriche wurden im Zuge der Opioid-Krise verheert, die Sterblichkeitsrate afroamerikanischer Babys ist höher als in Albanien, Kasachstan oder China, dabei werde das System nicht nur immer ungleicher, sondern auch immer teurer. Was Schenz nicht verstehen kann, ist die Maßlosigkeit von Snyders Wut. Mit Vergleichen zu Stalins Gulag oder Nazi-Methoden verrenne sich der Autor, betont sie.
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