Mit 20 Farb- und 6 S/W-Abbildungen. Am 7. Oktober 2023, dem Tag des Angriffs der Hamas, eskaliert nicht nur die Gewalt gegen die Einwohner im Süden Israels. Weltweit werden Menschen auch Zeugen einer Eskalation der Bilder. Mit an Helmen und Uniformen befestigten Kameras filmen die Terroristen ihre Gräueltaten und streamen sie live. Zivilisten in Gaza laden demütigende Filme ins Netz, die entführte und ermordete Israelis zeigen. Aber auch die Betroffenen, Bewohner von Kibbuzim und Besucher des Nova-Festivals, dokumentieren die Gewalt. Manche dieser Fotos und Videos sind die letzten Zeugnisse kurz darauf ausgelöschter Leben. In seinem Essay verdeutlicht Tobias Ebbrecht-Hartmann, warum es notwendig ist, diese Bilder anzuschauen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ihren Bezügen nachzugehen und sie in resonante Beziehungen zu früheren Gewalterfahrungen, insbesondere der visuellen Geschichte der Shoah, zu bringen, wenn man ihre Bedeutung als bildgewordene Gewaltakte und damit die spezifische Qualität der genozidalen Gewalt des 7. Oktober verstehen möchte. Diese Aufnahmen sind nicht nur Bilder der Gewalt, sondern manifestieren die an diesem Tag eskalierende Gewalt als Bild. Die Bilder und Videos haben eine doppelte Erniedrigung der Opfer zum Ziel: Es geht nicht nur um die Dokumentation der physischen, sondern auch um die Ausübung von symbolischer Gewalt, die ganz deutlich auf die visuelle Geschichte von Gewaltbildern Bezug nimmt. Auch wenn viele vor den Bildern lieber die Augen verschließen oder sie in den Archiven gegenwärtiger und vergangener Konflikte ablegen möchten, bleibt es notwendig, der Gewalt als Bild standzuhalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2025
Das Buch des Filmwissenschaftlers Tobias Ebbrecht-Hartmann wirft mehr Fragen auf als es beantworten kann, merkt der Kunstwissenschaftler Peter Geimer in einer sehr interessierten, aber nicht ganz überzeugten Kritik an. Terrorakte zielen immer auf die Öffentlichkeit und machen sie zum Instrument, da stimmt Geimer dem Autor zu. Zu den Fragen, die der Autor aufwirft, gehört die, ob es angesichts der freudvoll aufgezeichneten Grausamkeiten des 7. Oktober "eine Selbstverpflichtung zum Wegsehen " gibt (wie Horst Bredekamp sagte) oder ob nicht viel mehr eine "Verweigerung des Hinsehens" gerade zu dem eigentümlichem Umstand führte, dass die Bilder des 7. Oktober keinen klaren Schock in den Öffentlichkeiten auslösten - anders als etwa die Bilder von Abu Ghraib. Ebbrecht-Hartmann wolle jedenfalls eine "Ethik des Zeigens" entwickeln, denn sonst - so resümiert ihn der Kritiker - gingen die von der Hamas bewusst gelegten Bezüge zum Holocaust verloren, und man lande in abstrakter Allgemeinmenschlichkeit. Gerade diese Bezüge aber versäume das Buch, überzeugend zu entfalten, so Geimer. Aber wie gesagt: Auch Geimer würde kaum leugnen, dass der Autor hier eine wesentliche Frage stellt.
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