Es ist wahnsinnig einfach, für seine Vatertugenden gelobt zu werden. Vom Gemüsehändler bis zur Schwiegermutter scheinen alle beeindruckt zu sein, wenn Tobias Moorstedt Zeit mit seinen Kindern verbringt oder sogar die kleine Tochter trösten kann. Aber das positive Feedback spiegelt die eklatant niedrigen Erwartungen an Väter wider, denn Frauen leisten immer noch viel mehr Care-Arbeit als Männer. Jeden Tag. Selbstkritisch und ehrlich erzählt Tobias Moorstedt, was ihn und andere Männer davon abhält. Und plötzlich wird sichtbar, dass nicht nur Frauen unter der Unvereinbarkeit von Familie und Karriere leiden und wie schwer es auch für Männer ist, den Fesseln des Patriarchats zu entkommen. Der Autor kombiniert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer exklusiven Studie über die Vater- perspektive auf 'Mental Load'. Seine Analyse umfasst die Berichte von ganz unterschiedlichen Männern sowie seine eigenen Erfahrungen als Vater zweier Kinder.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2022
Rezensent Axel Rahmlow vermisst so einiges in Tobias Moorstedts Bestandsaufnahme der noch immer mangelhaften Gleichstellung von Müttern und Vätern und der Möglichkeiten dagegen etwas zu unternehmen. So findet er die Beispiele des Autors für weniger Job und mehr Kinderfürsorge von Vätern nicht optimal gewählt. Und was Moorstedt an Statistiken und Studien zur Ungleichheit bei Teilzeitarbeit von Vätern und Müttern zusammenträgt und analysiert, erscheint ihm auch nicht eben neu. Als Einstieg ins Thema und Auseinandersetzung mit möglichen Lösungen, die Zusammenhänge zwischen individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen offenlegt, findet Rahmlow das Buch aber dennoch lesenswert.
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