Sophie Lewis

Die Familie abschaffen

Wie wir Care-Arbeit und Verwandtschaft neu erfinden
Cover: Die Familie abschaffen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023
ISBN 9783103975048
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Lucy Duggan. Wer Glück hat, findet in der Familie Liebe und Fürsorge. Häufig ist sie jedoch Ursprung von Schmerz, Missbrauch und Gewalt. Selbst in so genannten "glücklichen" Familien ist das Zusammenleben harte Arbeit. In ihrem dringlichen und scharfsinnigen Essay fordert Sophie Lewis auf streitlustige Art: Sowohl die Sorgenden als auch die Umsorgten haben mehr verdient! Von Plato über Marx bis zu queeren Theorien der Gegenwart - Lewis zeichnet die Geschichte von Bewegungen nach, die über unsere klassischen Familienkonzepte hinausgehen, und räumt mit Missverständnissen über die Abschaffung der Familie auf. Eine feministische Kritik des idealisierten Konzepts Familie und ein leidenschaftliches Plädoyer für kollektive Care-Arbeit, das zeigt: Nur wenn wir beginnen über die Familie hinauszudenken, können wir uns ausmalen, was danach kommen könnte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.06.2023

Ein kurzes Manifest in "locker-humorvollem Ton" liest Rezensentin Susanne Billig mit Sophie Lewis Buch, in dem die Autorin zur Abschaffung der Familie aufruft. Das "weiße Kleinfamilienmodell" sieht Lewis auf vielen Ebenen als problematisch an, lesen wir: Im kapitalistischen System wird unbezahlte Care-Arbeit forciert und das Leben im abgeschlossenen "Mikrokosmos" der Familie fördert im Extremfall häusliche Gewalt. Nicht zuletzt weist die Autorin daraufhin, dass es in vielen Kulturen ganz andere Vorstellungen von Familie gab und gibt, die oft unterdrückt und zerstört wurden, so die Kritikerin. Am interessantesten findet Billig den mittleren Teil des Buches, in dem die Autorin einen historischen Abriss der "Familienkritik" leistet, die philosophische und politische Stimmen aus ganz unterschiedlichen Richtungen und Jahrhunderten vereint, von Sokrates bis zu bekannten feministischen Theoretikerinnen. Alternativen zeigt die Autorin wenig auf, merkt die Kritikerin an, es geht ihr nicht darum, neue Konzepte zu schaffen, sondern nur um "kreative Formen der Verbundenheit."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2023

Kann die Familie abgeschafft werden, fragt sich Rezensentin Sarah Pines mit Sophie Lewis' Text? Wobei sich direkt die Frage anschließt: Welche Familie? Die traditionelle europäische Kernfamilie beschreibt die Autorin als "Miniatur-Ökonomie des Schreckens" - konstitutiver Bestandteil und zugleich Kopie der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, in der zwischenmenschliche Liebe zwangsläufig korrumpiert wird durch die familiären Machtverhältnisse. Damit schließt die Autorin direkt an die Familienkritik der zweiten Welle des Feminismus in den 70ern an, weiß Pines. Als Alternative beschreibt Lewis eine Welt, in der statt der Kernfamilie die Kommune "erzieht und ernährt", in der jeder für jede Sorge tragen kann. Die Dekonstruktion der Kernfamilie müsse jedoch nicht bedeuten, alle verwandtschaftlichen Bande aufzulösen und zu verneinen. Lewis geht es viel mehr darum, neue Denkräume zu eröffnen, in denen es möglich wird, diese Band mit anderen zu ergänzen. Dies glingt ihr, lobt die Rezensentin, und das auf stets unterhaltsame und humorvolle Weise.

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