Voland und Quist Verlag, Dresden und Leipzig 2026
ISBN
9783863914158 Gebunden, 160 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Auf der griechischen Insel Gavdos hat sich eine Kommune von russischen Naturwissenschaftlern angesiedelt: die Pythagoräer. Man erzählt sich, sie hätten Tschernobyl überlebt - und seien deshalb von der eigenen Unsterblichkeit überzeugt. Der Journalist Gilad wittert eine gute Geschichte und reist auf die Insel, um mehr über die geheimnisvolle Gruppe zu erfahren. In einer kargen Landschaft zwischen verlassenen Bergdörfern und dem Meer begegnet Gilad der mysteriösen OpernsängerinElina, einem orthodoxen Priester, einem deutschen Avantgarde-Dichter, erleuchteten Kommunen-Mitgliedern - und unzähligen Ziegen. Je länger er bleibt, desto weniger kann er zwischen Wirklichkeit und Fiktion unterscheiden. "Gavdos" ist ein anspielungsreicher Roman über unseren Wunsch nach Unsterblichkeit, der wie im Vorbeigehen große Fragen aufwirft: Ist Sterblichkeit notwendig, um Sinn im Leben zu finden? Wollen wir wirklich ewig leben? Und wenn nicht: Lässt sich die Unsterblichkeit überwinden?
Gavdos, wo Tomer Dotan-Dreyfus' zweiter Roman spielt, ist eine Insel südlich von Kreta, weiß Rezensent Maximilian Mengeringhaus: Hierhin wurden einige "kontaminierte Ersthelfer" aus Tschernobyl exiliert, hier gründeten sie im Geiste von Pythagoras eine Unsterblichkeitssekte, über die der Journalist Gilad eine Reportage schreiben soll. Er ist ziemlich erstaunt, dass sich die Gerüchte über die Sekte bewahrheiten, so der Rezensent, es entspinnt sich eine Geschichte im Stile des magischen Realismus von Márquez oder Kundera, bei der sich Dotan-Dreyfus aber etwas zu viel vornimmt, meint der Kritiker. Von Gilgamesch-Epos bis zu ostslawischen Dämonen nehme der Autor alles an Mythologien mit und verbaue darin irgendwie noch eine übertriebene Kapitalismuskritik - das Buch krankt Mengeringhaus zufolge am "Christopher-Nolan-Syndrom": Viel wird erklärt, um die eigene Belesenheit auszustellen, auch wenn sie in nicht unerheblichem Maße aus "Wikipedia-Wissen" besteht. Trotzdem ganz unterhaltsam, schließt er.
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