Toni Morrison

Die Herkunft der anderen

Über Rasse, Rassismus und Literatur
Cover: Die Herkunft der anderen
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2018
ISBN 9783498045432
Kartoniert, 112 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Thomas Piltz. Die amerikanische Literaturnobelpreis-Trägerin Toni Morrison hat ihr Leben als Schriftstellerin der Rassenfrage und dem Rassismus gewidmet. Nun meldet sie sich zum Thema Rassismus in Amerika. Die sechs hier abgedruckten Texte basieren auf Vorlesungen an der Harvard University im Sommer 2016. Es sind Betrachtungen über Rasse und Rassismus, die die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft widerspiegeln und durch die Wahl eines das Land spaltenden Präsidenten sowie den zunehmenden, unverbrämten Alltagsrassismus eine brennende Aktualität bekommen.
Wie und wann entsteht das Konzept des Andersseins? Angeboren ist es ja nicht. Toni Morrison beantwortet diese Frage mit persönlichen Erinnerungen aus ihrer Kindheit, erzählt von eigenen Familien- und Berufserfahrungen und spricht über reale Fälle, die sie zu ihren Romanen inspiriert haben. Zudem macht sich Toni Morrison Gedanken zur Geschichte und Funktion von Literatur in einer latent rassistischen Gesellschaft. Sie leitet den literarischen Rassismus aus der Romantisierung des Sklaventums her und belegt mit Beispielen von Faulkner bis Hemingway die ständige Angst vor den schwarzen Gesichtern. Dabei schlägt sie einen weltpolitischen Bogen, von der individuellen Herkunft bis hin zur Globalisierung, zu Grenzen und Fluchtbewegungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.06.2018

Rezensentin Marie-Sophie Adeoso räumt gern ein, dass Toni Morrisons Essays über die Konstruktion des Anderen keine ausgearbeitete Theorie liefern, sondern eher eine Art des offenen Nachdenkens, bei dem nicht alles zu einem Ende oder einem Fazit führe. Trotzdem entnimmt die Rezensentin dem schmalen Band wertvolle Denkanstöße: Etwa wenn Morrison darüber nachdenkt, ob die Einteilung der Welt in ein "Wir" und "die Anderen" die Wahrnehmung schärft oder sie vernebelt. Auch dass Morrison den "Hautfarbenfetischismus" geißelt und für mehr unkenntlich gemachte Zugehörigkeiten in der Literatur plädiert, vernimmt Adeoso mit großen Interesse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2018

Ulrich Baron versteht Toni Morrisons Werk mit den nun auf Deutsch vorliegenden Vorlesungen von 2016 besser. Als Kennerin von Rassismus erscheint ihm die Autorin prädestiniert, über Rassismus als Konstrukt zu sprechen, über autobiografische Prägungen und Rassismus, der in beide Richtungen wirkt. Dass der Band zu einem Zeitpunkt erscheint, da Rassismus wieder ein Thema ist, findet Baron bedauerlich, aber auch tröstlich, weil Morrison so berufen darüber zu schreiben versteht.

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