Was bedeutet es, dass die RAF einen so hohen Frauenanteil hatte? Wie kam es, dass sie sich oft bedingungslos für Gewalt und Kampf entschieden? Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Brigitte Mohnhaupt, Inge Vieth, Margrit Schiller, Monika Berberich und Birgit Hogefeld waren die prominentesten unter ihnen, doch es gab noch viele mehr. Was trieb sie an? Auf diese Frage gibt die Textsammlung "Terroristinnen - Bagdad '77" keine eindeutige Antwort, sondern sie kreist das Thema aus verschiedenen Richtungen ein. So spüren AutorInnen aus unterschiedlichen Disziplinen den Motiven für den Weg in die Illegalität nach: Die Theaterregisseurin Katrin Hentschel montiert Texte und Viten von RAF-Frauen und stellt kühn, unideologisch und mit leichter Hand dar, was diese Frauen bewegt haben könnte. Die Historikerin Dr. Gisela Diewald-Kerkmann forscht über Gerichtsprozesse gegen weibliche Mitglieder der RAF und untersucht auf der Basis von Selbstzeugnissen und einer bisher einmaligen Recherche die Wege von Frauen in den Terrorismus. Und Vojin Sasa Vukadinovic wirft in einem Essay die Frage auf, warum die RAF-Frauen keine feministischen Positionen vertreten haben.
Irgendwie erfrischend und vergnüglich fand Rezensent Helmut Höge diese unkonventionellen Reflexionen über die Frauen der RAF und ihre Beweggründe, die aus einem Freiburger Theaterabend im Jahr 2007 hervorgegangen sind. Dennoch sind ihm nicht alle Beiträge dieser "Dokufiktionen" geheuer, merkt man auch. Zwar machen ihm Übersetzungen des RAF-Kürzels als "Recht aufs Frausein" ebenso Freude, wie die Fragestellung, ob der Terror ein Versuch gewesen sei, "nicht spießig" zu werden. Allerdings ist ihm dann mancher Weg doch zu kurz, den diese Reflexionen gehen, so dass er indirekt hier auch manche "rechte" Position zur RAF gestützt findet.
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