Theodor Eschenburg hat in den Jahrzehnten nach 1955 als "Wächter der Institutionen" und "Lehrer der Demokratie" große Anerkennung gefunden. Seit 2011 ist jedoch seine Tätigkeit im Dritten Reich ebenso in die Kritik geraten wie sein Demokratieverständnis vor 1933 und nach 1945. Udo Wengst nimmt erstmals das ganze Leben Eschenburgs in den Blick und interpretiert es auf der Grundlage zahlreicher neuer Quellenbestände.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2015
Auf jede Menge analytische Schwächen stößt Hannah Bethke in der Theodor-Eschenburg-Biografie des Historikers Udo Wengst. Für die Rezensentin umso bedauerlicher, als sie das Buch nach den Debatten um Eschenburgs Rolle im Dritten Reich mit Spannung erwartet hatte. Doch zu diesem Komplex steuert der Autor auch inhaltlich nichts Neues bei, wie Bethke enttäuscht feststellt. Stattdessen schreibt er Eschenburgs Lebensgeschichte, wie Bethke erkennen muss, in mitunter onkelhaftem Ton, langweilig und schleppend und unter Missachtung wichtiger Forschungsergebnisse. Eine politische Biografie ist das Buch jedenfalls nicht für die Rezensentin, aber auch keine wissenschaftliche Studie, dafür findet es Bethke einfach zu wenig genau.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2015
Immerhin, stellt Rainer Blasius fest, nimmt Udo Wengst eine leichte Korrektur in seinem Bild von Theodor Eschenburg vor. Jetzt stellt er ihn nicht mehr als Gegner des Nationalsozialismus dar, sondern attestiert ihm nur noch "Distanzierung in jeder Beziehung". Trotzdem will Blasius nicht verstehen, wie sich das mit einer SS-Mitgliedschaft in den Jahren 1933/34 vereinbaren lässt oder der Gleichgültigkeit gegenüber allen politischen Linien des Regimes. Mehr Quellenstudium, statt eigenwilliger Interpretationen hätte sich der Kritiker vom Historiker gewünscht. Eschenburg bleibt ihm als Mitläufer suspekt: Erst die Ergebenheit gegenüber seinem "Führer" Gustav Stresemann, dann ein hochdotierter Posten in der Industrie, schließlich die Professur - "Immer oben mitschwimmen" lautet der Titel seiner Besprechung. Andererseits betont Blasius auch, dass Eschenburg das "Recht auf politischen Irrtum" jedem zugebilligt hat.
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